Als Riccardo Chailly 1993 mit seiner "Cenerentola"-Einspielung an die Öffentlichkeit trat, hieß sein Star Cecilia Bartoli: Die 26-jährige Italienerin war mit ihren flinken Koloraturen und ihrem wundervollen Timbre eine Sensation – und sie ist es in jener Aufnahme bis heute, wie der direkte Vergleich mit der vorliegenden Neueinspielung zeigt; zwar vermag auch Vesselina Kasarova in der Titelpartie mit recht gewandter Koloraturtechnik aufzuwarten, aber von Bartolis blitzsauberem, atemberaubend virtuosen "Non più mesta" ist sie doch Meilen entfernt. Und, da braucht man sich nichts vorzumachen, Virtuosität ist doch zumindest das Hauptschmiermittel bei dieser Art des Operngesangs: Erreicht man hier nicht Perfektion, dann nützt alles lautere Ausdrucksstreben und Gestalten nichts. Kasarova, das muss man in diesem Zusammenhang sagen, bleibt ohnehin leider bis zum Schluss der Oper ein wenig das vergrübelte Aschenputtel mit stets etwas bedrohlich wirkendem Brustregister und einer niemals ganz ungebrochenen schieren Freude am Schöngesang. Wenn auch die Ausführung der Titelpartie nur gedämpfte Freude auslöst, so muss doch im Hinblick auf die Partie des Don Ramiro – wer bemeistert heute schon das Koloratur-Tenorfach, wenn Flórez und Giménez mal keine Zeit haben? – ein dickes Lob ausgesprochen werden: Antonio Siragusa kommt ganz hervorragend zurecht mit den höllischen Schwierigkeiten, die seine Arien bieten, viel besser vor allem als William Matteuzzi in der erwähnten Chailly-Aufnahme, der passagenweise die Koloraturen mehr durchrutscht als wirklich aussingt. Ein anderes Problem der vorliegenden, in der Münchner Philharmonie live produzierten Version sei allerdings nicht verschwiegen: Die Einbindung des Chores vor allem im Falle kleinerer Einwürfe in Arien und Ensembles funktioniert alles andere als reibungsfrei – entweder der Dirigent hat sich in diesem Punkt keine große Mühe gegeben, oder räumliche Probleme verhinderten ein befriedigendes Zusammenspiel.

Michael Wersin, 09.03.2007



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