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Gioachino Rossini

Péchés de viellesse Vol. 8

Stefan Irmer

MDG/Codaex MDG 618 1488-2
(80 Min., 10/2006)

Rund 150 Piècen komponierte Gioacchino Rossini zwischen 1857 und 1868 für Kammermusikbesetzung, Sänger und/oder Klavier – und nannte sie in seiner liebenswert-ironischen Art "Sünden des Alters" (Péchés de vieillesse). Doch erst lange nach Rossinis Tod kamen sie unters Volk – dank der Erstveröffentlichung 1954 in insgesamt 13 Bänden. Seitdem haben sich immerhin so manche Sängerstars wie Elisabeth Schwarzkopf und Victoria de los Angeles an ausgewählten Canzonen delektiert. Und 1997 begann der Pianist Stefan Irmer schließlich und endlich mit der Gesamteinspielung der Klavierwerke. Jetzt ist sie abgeschlossen. Mit einer Auswahl "von Allem etwas" ("Un peut de Tout"), wie Rossini eine Sammlung von "56 halbkomischen Stücken" nannte und die er viertklassigen Pianisten widmete – und zu denen er sich ebenfalls zählte.
Doch auch bei den 19 hier aufgenommenen Stücken ist Vorsicht geboten, sind sie auf keinen Fall zu unterschätzen. Allein ein sportlich anzugehendes "Allegro brillante" mit dem Titel "Gymnastique d´écartement" (Spreizgymnastik) erfordert Stehvermögen in der Geschwindigkeit und Spagatkünste in den Händen, um dieser etwas anderen Belcanto-Etüde das nötige Glitzern mitzugeben. Und auch die "Fehlgeburt der Polka-Mazurka" (Fausse couche de polka-mazurka) ist eine drollige wie springlebendige Parodie auf die damals so beliebten Salontänze. Überhaupt sind die Satzbezeichnungen erneut herrlich surreal. Allein "Ein kleiner Boudoir-Walzer" hätte auch Erik Satie als Urheber beispielsweise eines "Walzers der Mandelschokolode" einfallen können. Und Rossinis "Kostprobe melodischen Quatsches der rechten Hand auf den schwarzen Tasten" wird mit einem lieblichen "Chante cochon" (Schweinischer Gesang) eröffnet – auf den ein vollgriffiger und mit so manchen Gemeinheiten gespickter Walzer folgt. Ein viertklassiger Pianist könnte spätestens da einpacken. Da Stefan Irmer aber nicht nur über eine exquisite Pianistik verfügt, sondern mit leuchtenden Farben, generösem Schwung und hintergründiger Sentimentalität auftrumpfen kann, macht er aus jeder leichten Köstlichkeit eine gehaltvolle Alterssünde. Nur einen "Wermutstropfen"-Walzer muss man nun doch noch anstimmen – weil diese Folge 8 unumstößlich den Schlusspunkt hinter die "Péchés de viellesse" setzt.

Guido Fischer, 30.06.2007



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