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Gioachino Rossini

Sämtliche Klavierwerke Vol. 8

Paolo Giacometti

Channel Classics/harmonia mundi 24907
(60 Min., 10/2006) 1 CD

Gioacchino Rossini hatte schon immer einen gesunden Appetit. An der Partitur zeigte er sich als wahrer Operngourmand, der bis 1829 bis zu vier Meisterwerke pro Jahr komponierte. Und auch nachdem er sich mit 37 Jahren endgültig vom Musiktheaterbetrieb zurückgezogen hatte, frönte er dem Kochlöffel und eigenen Kreationen wie den Makkaroni à la Rossini oder den Gefüllten Pastetchen à la "Diebische Elster". Doch wer selbst noch im hohen Alter mit einem unvergleichlichen Buffoschalk gesegnet war, der servierte seinen Gästen schon mal so manch überraschenden Gaumenkitzler. Beispielsweise "Quatre hors-d´œuvres" (Radieschen, Anchovis, Cornichons und Butter), eine Platte Studentenfutter "Quatre mendiants" mit Feigen, Mandeln, Nüssen und Rosinen – und als Digestif vielleicht einen "Rizinuswalzer". Der Magen blieb dabei aber glücklicherweise verschont. Vielmehr verbargen sich hinter diesen Titeln musikalische Miniaturen, die frech und temperamentvoll gewürzt zum kurzweiligen Ohrenschmaus gerieten. Zu finden sind diese natürlich in dem riesigen "Alterssünden"-Konvolut, das Rossini ab 1857 anlegte und in dem die Werke für Klavier solo einen nicht geringen Platz einnehmen.
Mit Folge 8 aller pianistischen "Péchés de Viellesse" beschließt nun Paolo Giacometti seine Gesamteinspielung. Fürs Finale hat er aber sich nicht nur das klingende Fingerfood aufgespart, sondern auch so manch anderes vergnügliche Charakterstück. Hinter "Tourniquet sur La Gamme Chromatique, Ascendante et Descendante" verbirgt sich eine Persiflage auf die Stimmübungen, mit denen Sänger nicht immer zur Freude ihrer Nachbarn warmlaufen. Und auf eine mal wieselflinke, mal gemütliche "Petite Promenade de Passy à Courbevoie" folgt ein "Freudenfest" ("Une Réjouissance"), das Rossini auf Iberische und Wienerische Art und Weise gestaltet. Giacometti beweist dabei einmal mehr an einem historischen Flügel (hier es ein Pleyelinstrument von 1858), dass es nicht immer Kaviar und Schampus sein muss, um von Rossini aufs Beste versorgt zu werden.

Guido Fischer, 07.07.2007



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