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Robert Schumann

Sinfonie Nr. 2, Manfred-Ouvertüre, Konzertstück für vier Hörner

Philharmonia Orchestra, Christian Thielemann

Deutsche Grammophon/Universal 453 482-2
(75 Min., 7/1996) 1 CD

Auch Kaiser irren: Joachim I. empfahl in seiner allwöchentlichen Klassik-Kolumne (in dem Blatt, das wir natürlich nur beim Friseur oder im Wartezimmer lesen) diese Schumann-CD als eine der drei “fesselndsten Interpretationen” der C-Dur-Sinfonie - und das ist sie, bei allem Respekt, nun wirklich nicht. Nicht viel lässt sich ausmachen von “furtwänglerischer Inbrunst”, dazu bleibt sie zu lauwarm-gediegen, bisweilen geradezu verwaschen. Wichtige Akzente wie Sforzati oder Forti/Piani werden nicht beachtet, Einsätze wackeln verdächtig, Tempomodifikationen kommen unorganisch, mehr gewollt als gekonnt, die meisten Übergänge sind Übersprünge. Auch hört man wenig von der Widerborstigkeit dieser Durch-Leid-zum-Licht-Sinfonie, von ihrer glorreich der Krise abgetrotzten “Jetzt-erst-recht!”-Emphase.
Thielemann liefert eher biederes Kapellmeistertum ab, und die agogischen “Freiheiten”, die der Kaiser rühmt, verdanken sich einzig romantisierender Willkür. Aber gerade darum geht’s hier ja nicht, um ein “romantisches” Werk, sondern um die strengst-klassizistische, Beethoven und Mozart (und im Schlußsatz sogar Bach) huldigende Sinfonie der romantischen Epoche - eben um, wie der Komponist selber sagte, “meine Jupiter”. Dass diese “Freiheiten” in der nun allerdings hochromantischen “Manfred”-Ouvertüre zum Zerbrechen, zum Stillstand der Musik führen, empfiehlt die Aufnahme auch nicht; allenfalls das Kuriosum, daß die vier Solohörner im Konzertstück op. 86 so brillant und sauber klingen, wie sie’s in der Sinfonie nur selten tun.

Thomas Rübenacker, 30.06.1997



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