Diese Box, zusammengestellt aus vier zunächst einzeln vermarkteten CDs, bietet im Wesentlichen Auszüge aus Georg Philipp Telemanns Kantatenzyklus "Harmonischer Gottesdienst" (ergänzt durch die "Missa brevis" TVWV 9:14 für Solo-Alt, zwei Violinen und Continuo, sowie eine Psalmvertonung und eine größere Kantate, die von Hermann Max und seinem Ensemble "Das Kleine Konzert" eingespielt wurden). Die durchweg solide, in Teilen superbe Einspielung wirbt ausgesprochen wirksam für Telemanns Kirchenmusik, die ja bis heute (und sicher nicht ganz grundlos) im Schatten derjenigen von Bach steht. Unter den Sängern sticht besonders der Leipziger Bassist Gotthold Schwarz hervor: Sein perfekt geführtes, kernig-präsentes und doch warm timbriertes Material, sein schlichtweg vollkommener Umgang mit der Sprache und seine furiose Koloraturtechnik werfen einmal mehr die Frage auf, warum Schwarz nicht mindestens ebenso bekannt und präsent wie sein Fachkollege Klaus Mertens ist. Ebenfalls hervorragende stimmliche und interpretatorische Leistungen erbringt in insgesamt vier der Kantaten des "Harmonischen Gottesdienstes" (sie sind jeweils für einen Solisten, ein obligates Instrument und Continuo komponiert) der Tenor Rufus Müller, der insgesamt prägnanter und souveräner agiert als Bernhard Hirtreiter, der andere in dieser Sammlung vertretene Tenor - letzterer einst die große Hoffnung im lyrischen Tenorfach, heute als einer der drei "Jungen Tenöre" auf ganz anderen Karriere-Pfaden. Monika Frimmer und Petra Kötz-Geitner decken solide und gewandt den Sopranbereich ab. Die obligaten Instrumente, gespielt u. a. von Myriam Eichberger (Blockflöte) und Pieter Affourtit, genügen ebenso allerhöchsten Ansprüchen wie die Continuogruppe mit dem hervorragend flexiblen und kreativen Christoph Hammer am Tasteninstrument. Ein engagiertes Plädoyer für Telemann, wie es besser kaum hätte gelingen können.

Michael Wersin, 02.06.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top