Responsive image
Peter Iljitsch Tschaikowski

Arien aus "Eugen Onegin", "Die Jungfrau von Orléans", "Mazeppa", "Die Zauberin", "Pique Dame", "Jolanthe"

Julia Varady, Daphne Evangelatos, Münchner Rundfunkorchester, Roman Kofman

Orfeo C 540 011 A
(78 Min., 6/2000, 9/2000) 1 CD

Welche Sopranistin könnte in ihrem sechzigsten Lebensjahr eine CD wie diese vorlegen? Wer Julia Varady auf der Bühne erlebt hat, der weiß, wie diese eher kleine Person in einem Raum von der Größe der Münchner Philharmonie das Publikum mit überwältigend voluminösen Tönen an die Sitze nageln konnte.
Vor drei Jahren hat sie sich, offenbar ohne stimmliche Not, von der Opernbühne verabschiedet. Nun veröffentlicht sie ein neues Album mit Arien aus Opern von Tschaikowski. Ohne Zweifel passt dieses Repertoire besonders gut zu ihr: Der Hörer erlebt noch einmal jenes rückhaltlose Aufgehen in unbedingtem Ausdruckswillen, mit dem die Callas-Verehrerin das Publikum faszinierte.
Ähnlich wie Maria Callas demonstriert auch Julia Varady, wie man mittels darstellerischer Intensität kleinere stimmliche Mängel erfolgreich wettmachen kann: Ein ausgeprägtes Vibrato, das nicht jedermanns Geschmack ist, hat sie immer schon gehabt, und hinzu kommt nun als einzige deutliche Alterserscheinung die nicht mehr restlos gelungene Fokussierung einiger hoher Noten, besonders im Piano. Aber wen stört's? Schließlich bietet sie dafür eine beneidenswert durchgebildete Stimme mit perfekt angebundenem, kräftigem Brustregister sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Farben und Ausdrucksnuancen.
Mit Reife und Souveränität präsentiert Julia Varady ein Repertoire, das sich, abgesehen von den Arien aus "Eugen Onegin" oder vielleicht "Pique Dame", keiner großen Bekanntheit erfreut - sehr zu Unrecht, wie man sogleich anmerken muss. Zur Seite stehen Varady das hervorragend begleitende Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Roman Kofman, das außerdem einige Orchesterstücke aus den Opern beisteuert, und, in zwei Stücken, die Mezzosopranistin Daphne Evangelatos, die im Timbre sehr gut zu Julia Varady passt.
Leider hat die Plattenfirma auf Abdruck und Übersetzung der Texte im Beiheft verzichtet, wodurch dem des Russischen unkundigen Hörer das Verständnis der Stücke verwehrt wird.

Michael Wersin, 02.08.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top