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Peter Iljitsch Tschaikowski

Schwanensee

Russisches Staatsorchester, Dmitry Yablonsky

Naxos 8.55 5873-74
(148 Min., 7/2001) 2 CDs

Natürlich ist "Schwanensee" ein Ballett-Schlager, den jeder irgendwann einmal zumindest zur Kenntnis genommen hat. Aber von der abendfüllenden Partitur Tschaikowskis kursieren auf dem Schallplattenmarkt mehr "Greatest Hits"-Zusammenstellungen als Gesamteinspielungen. Dabei kann "Schwanensee" durchaus als purer Genuss bestehen, wenn theatralische Brillanz und Brisanz statt spätromantischer Klangverdickung beherzigt werden - was Dmitry Yablonksy nun auch dem Russischen Staatsorchester nicht nur vermittelte. Bisweilen schießen sie in den imposanten Steigerungen und Tutti sogar über das Ziel ein wenig hinaus, schlagen sie gekonnt in orchestrale Kraftmeierei um. Doch das ist tatsächlich der einzige, zu vernachlässigende Kritikpunkt einer Aufnahme, die sich ansonsten vor virtuoser Detailfreudigkeit, gestischer Unmittelbarkeit und unpathetischer Klangschönheit geradezu übertrifft.
In den vier Akten kommen so die Tschaikowski-Wonnen in Schwingung, die einen in dieses symphonische Wechselbad ziehen. Die Violin-Soli sind gefühlvoll, aber ohne verspielte Gefühligkeit. Bei den Walzern herrscht Farbigkeit und animierende Energie. Und in den spanischen und neapolitanischen Reminiszenzen sind die Temperaturschwankungen nicht erdrückend, sondern wohltuend. Yablonsky sorgt damit für eine Ehrenrettung des kompletten "Schwanensee", wie man sich ihn auch auf deutschen Konzertpodien wünschen würde.

Guido Fischer, 22.02.2003



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