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Robert Schumann

Sinfonien Nr. 2 u. 4 (Urfassung), Ouvertüren zu "Szenen aus Goethes ‚Faust‘" und "Julius Cäsar"

Schwedisches Kammerorchester, Thomas Dausgaard

BIS/Klassik Center BIS SACD 1519
(76 Min., 3/2005, 3/2006) 1 CD

Wenn ein Label eine neue Serie mit symphonischer Musik der Romantik "Opening Doors" nennt, so kann man angesichts des Überangebots an Einspielungen von Schumann-, Dvorak- oder Brahmssinfonien zunächst nur von offenen Türen sprechen, die da unnötigerweise eingerannt werden. Doch was die skandinavischen BIS-Macher hier, vorgetragen vom Schwedischen Kammerorchester unter der Leitung des Dänen Thomas Dausgaard, versprechen, ist nicht zu hoch gegriffen: Man hört wahrhaft Ungehörtes und Ungewohntes im scheinbar allzu Schumann-Vertrauten. Schon allein die Sostenuto-Einleitung der C-Dur-Symphonie rechtfertigt den Serien-Titel, denn derart sensibilisiert, auf kleinstem Raum dynamisiert und damit spannungsgeladen hat diese Themenvorgabe noch niemand eingespielt, auch Norrington, Gardiner, Zinman und Herreweghe nicht, die führende Riege derzeitiger Schumann-Exegeten. Schumann selbst bekundete, er sei nach seiner schweren Depression 1845 bei der Abfassung der Zweiten „noch halb krank“ gewesen. Dausgaard sieht hier denn auch eine hochsensible Künstler-Natur mit aufwühlenden Stimmungskontrasten am Werk. Mit einer überaus filigranen Partituranalyse legt er Schumanns Nervenenden sozusagen einzeln frei. Auch wenn nicht jede Akzentsetzung und plötzliche Dynamikänderung so notiert ist – sei‘s drum, die Deutung ist nicht nur schlüssig, sie ist aufregend und erzwingt permanente Aufmerksamkeit. Das gilt für das rasant ausgeführte Scherzo und das höchst fragile "Adagio espressivo" nicht minder wie für den fulminant gesteigerten Schlussatz und die beiden "Faust"- und "Julius-Cäsar"-Ouvertüren, die Dausgaard fern von deutsch-schwergewichtiger Zerknirschung als luzide Seelenspiegel ihres Schöpfers vorstellt. Apropos Steigerung: Als eine einzige aufwühlende, vom Düsteren zum frenetischen Jubel hin angelegte Klimax inszeniert Dausgaard die d-Moll-Sinfonie in der Urfassung von 1841, von der Brahms sagte, sie habe weit mehr "Charme, Leichtigkeit und Klarheit" als die (heute übliche) revidierte Fassung. Dass Dausgaard seine auf "Leichtigkeit und Klarheit" angelegte Schumann-Sicht mit dem aus nur drei Dutzend Musikern bestehenden Kammerorchester schon äußerlich weit besser als mit dem üblichen großen symphonischen Apparat bewerkstelligen kann, liegt auf der Hand. Da er mit diesem zahlenmäßigen "Weniger" ein "Mehr", ja ein Höchstmaß an innerem Drama inszeniert, muss man seinen Schumann demjenigen Norringtons zumindest an die Seite stellen. Und die Fortsetzung der Serie ungeduldig erwarten.

Christoph Braun, 09.06.2007



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