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Giuseppe Verdi

Attila

Nicolai Ghiaurov, Piero Cappuccilli, Mara Zampieri, Piero Visconti u.a.

Orfeo C 601 032 I
(109 Min., 12/1980)

”Gipfelpunkt des Cabalettismus” (wie Eduard Hanslick bei der Wiener Erstaufführung 1851 meinte) oder großes Musiktheater? Kein Zweifel, als Verdi seinen "Attila" komponierte, befand er sich noch auf dem Weg zu einer ganz eigenständigen, jedem Sujet individuell gerecht werdenden Tonsprache; die Einförmigkeit der orchestralen Begleitfiguren, die die Opern seiner Vorgänger prägte, hatte er noch nicht überwunden, aber zumindest rüttelte er schon gewaltig an diesem oft allzu einförmigen Korsett. Was darüber hinaus noch zu einem faszinierenden Opernerlebnis fehlte, besorgte an jenem 21. Dezember 1980 in der Wiener Staatsoper Giuseppe Sinopoli, der an diesem Ort nicht glanzvoller hätte debütieren können: Durch differenzierte, einfallsreiche dramatische Gestaltung des Orchesterparts und durch höchst inspirierende Führung der Sänger bescherte er dem Publikum mit Verdis "Attila" ein einzigartiges, so wohl zuvor nicht erwartetes Erlebnis. Die teilweise fast haltlosen Begeisterungsstürme des Publikums lassen die Spannung erahnen, die an jenem Abend geherrscht haben muss.
Von einer Ausnahme-Situation muss auch hinsichtlich der Sängerbesetzung gesprochen werden; selten nur versammeln sich solche Größen im Vollbesitz ihrer Kraft auf einer Bühne: Mara Zampieri wird den hohen Anforderungen der stimmlich und gestalterisch äußerst breit angelegten Partie der Odabella jederzeit vollkommen gerecht; Piero Cappucilli präsentiert als Ezio eine Baritonstimme von einzigartiger Energie und Höhensicherheit (zweimal begeistert er mit einem hohen B). Nicolai Ghiaurov in der Titelpartie steht ihm hinsichtlich kerniger Fülle des Materials in nichts nach. Sinopoli stachelt die Interpreten immer wieder zu elektrisierenden Höchstleistungen an; schöner und aufregender kann Oper nicht sein. Wer jedoch die Handlung genau mitverfolgen möchte, der sollte sich ein Libretto besorgen, denn ein solches bietet das Beiheft leider ebenso wenig wie eine Kurzdarstellung der Handlung - wenigstens letztere sollte eigentlich dabei sein, denn sonst wendet man sich mit einer solchen ansonsten sehr zu begrüßenden Veröffentlichung nur an Spezialisten.

Michael Wersin, 23.08.2003



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