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Giuseppe Verdi

La Traviata

Stefania Bonfadelli, Scott Piper, Renato Bruson u.a., Orchester der Fondazione Arturo Toscanini, Chor der Fondazione Arturo Toscanini, Plácido Domingo

TDK/Naxos DV-OPLTR
(205 Min., 2/2002) Stereo, Format 16:9, DVD 9, PAL, Region Code: alle

Nicht auf der Bühne als Alfredo, sondern im Orchestergraben als Dirigent gestaltet Plácido Domingo diese Traviata-Produktion aus Busseto, Verdis Heimatort; Franco Zeffirelli, der vor langer Zeit mit Domingo als Sänger einen spektakulären Traviata-Film drehte, wirkt wieder als Regisseur mit. Er inszeniert die Traviata in einem üppigen, kostümfilm-artigen Bühnenbild, das für den Liebhaber solcher Ausstattungen keine Wünsche offen lässt; seine Personenführung, die im Film durch zahlreiche Nahaufnahmen besonders hautnah erlebbar wird, ist auf konventioneller Basis detailliert, einfallsreich und insgesamt sehr überzeugend. Domingo erweist sich, soweit die Kameraschwenks in den Graben dieses Urteil erlauben, nicht gerade als brillanter und präziser Schlagtechniker, aber seine bloße Anwesenheit und seine leidenschaftliche Gestik verfehlen bei den Instrumentalisten und den Sängern nicht ihre Wirkung.
Stefania Bonfadelli und Scott Piper agieren als Liebespaar Violetta-Alfredo recht überzeugend, wobei ihre stimmliche Leistung partiell sehr gut ist; allerdings neigt Piper gelegentlich zu einer nasalen Stimmgebung, und Bonfadelli kommt nicht ohne technisch bedingtes Grimassieren aus, was im Falle von Nahaufnahmen den sonst perfekten Ausdruck etwas konterkariert. Der 66-jährige Renato Bruson erbringt in der Rolle des Vaters Germont eine für sein Alter beachtliche und vor dem Hintergrund der Rolle sicherlich akzeptable sängerische Leistung, wenn auch gewisse stimmliche Ermüdungserscheinungen deutlich hörbar werden. Trotz der angeführten Einschränkungen vermittelt sich Verdis bewegendes Kurtisanen-Drama in dieser Version auf emotional sehr mitreißende Weise; wer am Gesamterlebnis interessiert ist, ohne dabei auf bestimmte sängerische Nuancen fixiert zu sein, kommt mit diesen DVDs keinesfalls zu kurz.
Zwei Special Features beleuchten außerdem die Hintergründe dieser Produktion am geschichtsträchtigen Ort: Abgesehen von den üblichen gegenseitigen Beweihräucherungen (Domingo: "Zeffirelli ist ein ganz Toller" und umgekehrt, Piper: "Bonfadelli ist eine ganz Tolle" usw.) gewähren sie ein wenig Einblick in die Entstehungsphase und in das gemeinsame Arbeiten, was im Hinblick auf einige der beteiligten Personen auch ein wenig Ernüchterung mit sich bringen kann.

Michael Wersin, 04.10.2003



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