Eine überzeugende, eine zumindest teilweise gar repräsentative Produktion von Verdis berühmtem Eifersuchtsdrama: Riccardo Muti dirigierte im Dezember 2001 eine illustre Besetzung an der Mailänder Scala, innerhalb derer Plácido Domingo als souveräner Otello besonders hervorsticht: Überzeugend gelingt es ihm, die verhängnisvolle, haltlose Getriebenheit des Titelhelden auf die Bühne zu bringen; die noch immer sehr gut funktionierende Stimme steht ihm zuverlässig zu Gebot, und sein Spiel ist ebenso differenziert wie glaubwürdig. Leo Nucci als stimmgewaltiger Jago neigt als abgrundtief böser Intrigant darstellerisch gelegentlich ein wenig zur Pose, gestaltet seine Partie im Großen und Ganzen jedoch ebenfalls fesselnd und stringent. Barbara Frittoli wird als Desdemona sängerisch sicher nicht jeden Hörer vollends begeistern, ihr Timbre ist Geschmacksache. Das dramatische Geschehen entfaltet sich im sparsamen, auf das Wesentliche konzentrierten Bühnenbild Ezio Frigerios; Regisseur Graham Vick führt die Personen darin sehr aussagekräftig. Riccardo Muti leitet das Ensemble untadelig und mit großer Stringenz. Kurzum: Diese hochqualifizierte Aufnahme verspricht ein aufrüttelndes Otello-Erlebnis.

Michael Wersin, 17.01.2004



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