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Giuseppe Verdi

Un ballo in maschera

Plácido Domingo, Leo Nucci, Josephine Barstow, Sumi Jo u.a., Wiener Philharmoniker, Georg Solti

TDK/Naxos DV-Clopubim
(145 Min., 7/1990)

Im Schlangestehen sind die Musikfreunde der Salzburger Festspiele seit jeher geübt. 1990 muss aber das örtliche Kartenbüro im Belagerungszustand gewesen sein. Angeblich versuchten 40.000 Opernfans, sich in eine der sechs Aufführungen von Verdis "Un ballo in maschera" zu drängeln. Denn über das, was in der Premierensaison 1989 im Orchestergraben und auf der Bühne des Großen Festspielhauses passiert sein soll, erzählte man sich wahre Wunderdinge. Dokumente davon sind bislang noch nicht entdeckt worden. Von der Generalprobe und dem Premierenabend ein Jahr später gab es hingegen Live-Übertragungen in alle Welt. Und tatsächlich: mit Georg Solti stand nicht nur einer der aufregendsten Verdi-Dirigenten des 20. Jahrhunderts am Pult der Wiener Philharmoniker. In seinem tollkühn-dramatischen Pochen, in seiner strikten Differenzierung der Dynamik und farblichen Kontraste erinnerte der immerhin schon 77-jährige Solti, bei wem er in die Lehre gegangen war: bei Arturo Toscanini. Jetzt gibt es dieses Klangereignis auf DVD. Allein aber schon den Maestro bei seiner Arbeit zu beobachten, ist ein Erlebnis für sich - wie er mit seinen markant-entschlossenen Händen und seinen Röntgenaugen taudicke Blutbahnen und Nervenstränge durch die Partitur verlegt.
Dabei war Solti zu dieser Produktion erst im letzten Moment gestoßen. 1989 befand sich Herbert von Karajan schon mitten in den Proben, als er am 16. Juli starb. Bis auf den "Ersatzmann" Solti blieb jedoch alles wie geplant und erhofft, waren der Wiener Staatsopernchor und das Sängerelite-Ensemble jeder Steigerung bis ins grell Erregende gewachsen. Mit einem Plácido Domingo als "Gustavo", der 1990 in der Wiederaufnahme konkurrenzlose Legato- und Phrasierungskunst bot. Zum einzigen Wermutstropfen wurde dagegen die Inszenierung des Filmemachers John Schlesinger - der ganz im Sinne Karajans das Regietheater als Teufelszeug verdammt hatte. Weshalb sich über diesen opulenten, konventionellen Historienschinken nur der bodenlange Umhang des Schweigens ausbreiten lässt.

Guido Fischer, 28.05.2005



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