Verdis "Due Foscari" live aus Neapel - eine Aufführung, bei der vor allem die großen Namen enttäuschen: Leo Nucci als Doge Francesco Foscari bietet über weite Strecken müden, harschen, oft zu tief intonierten Gesang, Vincenzo La Scola als Sohn Jacopo gibt sich stimmgewaltig, aber häufig rau und unfrei. Altmeister Nello Santi am Pult dirigiert höchst routiniert, bei schnelleren Tempi aber mit sklerotisch hilflosen Bewegungen ein immer wieder inhomogenes, auch gelegentlich überraschend unsauberes Orchester. Der Lichtblick: Alex Penda als Lucrezia, die in puncto Vibrato zwar an der Obergrenze rangiert, aber durch faszinierende stimmliche wie darstellerische Präsenz und sicheren Zugriff auf ihre beeindruckend metallische und perfekt durchgebildete Stimme vor allem in der dramatischen Attacke begeistert. Darüber hinaus bleibt es auf der Bühne auch im Wortsinne dunkel: Die gesamte Handlung spielt sich vor konventionellen Kulissen und in historischen Kostümen weitgehend im Dämmerlicht ab, sodass sich oft nur eine Gesichtshälfte der Sänger vom Hintergrund abhebt. Das passt zwar irgendwie zur düsteren Handlung des auf einer Tragödie Lord Byrons basierenden Stücks, ist aber auf Dauer doch ermüdend. Das inszenierende Team unter Leitung des Regisseurs Werner Düggelin hätte wahrlich etwas kreativer ans Werk gehen können.

Michael Wersin, 22.10.2005



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