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Franghiz Ali-Zadeh

Oasis, Aspheron Quintet, Music For Piano, Mugam Sayagi

Kronos Quartet, Franghiz Ali-Zadeh

Nonesuch/Warner 7559-79804-2
(61 Min.) 1 CD

Der Welt-Atlas des Kronos Quartets ist um ein Kapitel reicher. Und fast wie zu erwarten, haben die Streicher um ihren Scout David Harrington erneut ein Land für sich entdeckt, das auf der musikalischen Landkarte durchaus als Terra incognita gilt: Aserbaidschan. Zumindest gilt das für die westliche Hemisphäre und für Musiker wie Yo-Yo Ma, die erst nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches diese reiche Klangregion erkundeten. Dabei war Aserbaidschan schon während der legendären Seidenstraßen-Epoche ein wichtiges Durchgangsland für die Handlungsreisenden von Ost nach West, gibt es in der Volksmusik arabische und kleinasiatische Einflüsse. Zu den herausragenden Komponistinnen ihres Landes gehört Franghiz Ali-Zadeh, die in ihren Werken an den vielfältigen Wurzeln festhält. Wobei gerade der traditionelle Mugam als multi-ethnisches Klangprisma sich wie ein roter Faden durch die vier Kompositionen zieht. Und von denen drei für das Kronos Quartet geschrieben wurden.
Erstaunlich ist bei diesem Ali-Zadeh-Porträt "Mugam Sayagi" einmal mehr die spielerische Leichtigkeit und facettenreiche Ausdruckskollektion, mit der das Kronos Quartet den Zugang zu dieser Route findet. "Oasis" für Streichquartett und Tonband gerät zu einer phantasmagorischen Erzählung über einen Wanderer, mit Wassertropfen-Pizzicati und flirrenden Glissandi. Das zweisätzige "Aspheron Quintet" mit der Komponistin am Klavier wird von orientalischen Figuren, Schleifern und Seufzern durchglüht, ohne jedoch trotz der reichen Ornametik an dramatischer Wucht einzubüßen. Gleiches gilt für das Kernstück der Aufnahme, für das 20-minütige Streichquartett "Mugam Sayagi" (1993). Und in diesem Wechselspiel aus verstörend klagender Rhapsodik, verführerischer Schönheit und Pferdehufen-Schlägen auf den Korpus der Streichinstrumente meint man, eine Pantomimenmusik zu einem Märchen aus weit vergangenen Zeiten zu erleben. Die seit jetzt 30 Jahren bestehende Goldgräbermentalität des Kronos Quartets ist einfach erstaunlich.

Guido Fischer, 01.01.1970



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