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Antonio Vivaldi

Doubles Concertos

Akademie für Alte Musik Berlin

harmonia mundi HMC 901975
(56 Min., 3/2007) 1 CD

Sechs ganz unterschiedlich besetzte Instrumental-Concerti von Antonio Vivaldi, auf einer CD präsentiert mit dem erklärten Ziel, "die große Bandbreite des Vivaldi’schen Schaffens unter Beweis zu stellen". Und so rauscht sie dann vorbei, die wahrhaft aufregende Virtuosenmusik des beim Komponieren und auch wohl beim Interpretieren schier unermüdlichen Italieners. Die Barockspezialisten der "Akademie für Alte Musik Berlin" bearbeiten gekonnt und hochmotiviert ihre alten Instrumente; gelegentlich meint man, sie prügelten sie, so ruppig und hart traktieren sie Vivaldis Linien, und dies oft in einem Tempo, bei dem die einzelnen musikalischen Motive in ihrer Sinnhaftigkeit durchaus schon einmal infrage gestellt werden können. Die beiden Solo-Oboen des Doppelkonzertes RV 535 verkuddelmuddeln sich bisweilen beinahe in ihren Figurierungen, nicht anders die Solovioline im Finalsatz von Opus 3 Nr. 12, dem letzten Concerto der Sammlung "L’Estro armonico". Klangwogen fast bedrohlichen Charakters überrollen den Hörer im Kopfsatz des Doppelkonzertes für zwei Violoncelli und Streicher in g-Moll (RV 531) – wenn Rostropowitsch nicht schon tot wäre, dann hätte er, falls die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis so weitergeht, schon in wenigen Jahren in Alte-Musik-Ensembles mitspielen dürfen, an der Seite von Mischa Maisky vielleicht. Die Verwegenheit der Interpretationshaltung kennt keine Grenzen, eine Bandbreite der Dynamik, des Klangfarbenspektrums, der Phrasierung und der Artikulation wird erlebbar, von der die Väter der Bewegung, heute alle schon Opas, noch nicht einmal geträumt haben. Ganz ehrlich: Dieser Stil hinterlässt einen ambivalenten Eindruck bei einem Rezensenten mittleren Alters – vielleicht werden wir langsam zu alt für die Alte Musik. Aber trotz aller Selbstkritik: Das böse Wort "Effekthascherei" drängt dem Autor in den Sinn. Und, dies sei noch angefügt: Der Titel des Programms ("Doubles Concertos") will sich dem Autor hinsichtlich seiner grammatikalischen Gestalt auch nicht so recht erschließen. Steht der doppeltgemoppelte Plural vielleicht für die besondere Intensität dieser Darbietungen?

Michael Wersin, 09.11.2007



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