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Antonio Vivaldi

Mandolinen-Konzerte u.a.

Europa Galante, Fabio Biondi

Virgin/EMI 5 45527 2
(68 Min., 10/2001) 1 CD

Strawinskys vernichtendes Urteil, dass Vivaldi nur ein Konzert sechshundertfach variiert habe, ist zumindest immer dann widerlegt worden, wenn unkonventionelle Musikanten die Ärmel hochkrempelten. Wie das Il Giardino Armonico oder Rinaldo Alessandrinis Concerto Italiano, die so manch wurmstichige Werke Vivaldis restauriert und ihnen nicht nur mit furios gesetzten Akzenten neue Spannkraft verliehen haben.
Gleiches gilt für Fabio Biondi und sein Ensemble Europa Galante. Gemeinsam blühte man besonders da in jenen Instrumentalkonzerten auf, wenn Vivaldi Naturschauspiele wie Meeresgetöse und Gewitterblitze imaginierte. Wer sich aber jetzt wieder in die "absolute" Musik wirft, in die vorrangig bekannten Werke für verschiedene Solo-Instrumente, der muss schon Waghalsiges zeigen. Biondi jedenfalls bietet mit den sieben Konzerten keine überraschenden Argumente, um als unbedingte Alternative in den reichbestückten Katalog aufgenommen zu werden.
Nicht, dass Biondi plötzlich kein Gespür mehr hätte für das Impulsive, das Drängende in den schnellen Sätzen und für das Edel-Intime in den Mittelsätzen. Aber was gleich für das Eingangskonzert in G-Dur für zwei Mandolinen zutrifft, setzt sich auch da fort, wo Vivaldi mit Violinen, Blockflöten und Celli die spieltechnische Reaktionsschnelligkeit seines Mädchenorchesters im Ospedale della Pietà prüfte: jedes effektvolle Musizieren verliert auf Dauer seine Brisanz, schlägt die historisierende Differenzierungslust ins Manieristische um.
Die Leichtigkeit von Vivaldis sprudelnden Ideen wird schon fast maschinenhaft exekutiert, diesen zweitrangigen Kompositionen wird Charme und Luftigkeit ausgetrieben. Allein im Fall des G-Dur-Konzertes empfiehlt sich daher der Griff zu einer dreißig Jahren alten Einspielung, in der Version für zwei Lauten - mit John Eliot Gardiner und Julian Bream.

Guido Fischer, 12.12.2002



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