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Antonio Vivaldi

The Vivaldi Album

Max Emanuel Cencic, Ornamente 99, Karsten Erik Ose

Capriccio/Delta Music 67 072
(60 Min., 4/2003) 1 CD

Wie unprätentiös - ohne Verlust an Ausdrucksstärke! - Antonio Vivaldis weltliche Vokalmusik vorgetragen werden kann, ist durch die lange Zeit übermäßige Präsenz von Cecilia Bartolis diesbezüglichen extrovertiert-sportlichen Leistungen ziemlich in Vergessenheit geraten. Max Emanuel Cencic, nach ausführlicher Sopran-Karriere und anschließender schöpferischer Pause im Jahre 2000 als Altus wieder auf der Bildfläche erschienen, ruft die glühend intensive, fesselnde Intimität dieser Musik in Erinnerung. Fünf der insgesamt acht Solokantaten Vivaldis für Altstimme präsentiert er auf der vorliegenden CD. Für welchen Stimmtypus diese Werke ursprünglich geschrieben wurden - wohl eher für eine Frau oder auch für einen Kastraten -, ist ungeklärt und angesichts der hier versammelten interpretatorischen Leistungen letztendlich auch unwichtig: Cencic beherrscht dieses Repertoire nicht nur stimmlich, sondern auch hinsichtlich des geforderten Ausdrucks mit stupender Vollkommenheit. Koloraturen, und seien sie auch ungewöhnlicherweise mit Tonrepetitionen gemischt wie im letzten Satz von "Care selve, amici prati", können Cencic nichts anhaben; das ausgiebig verlangte tiefe Register bindet er bruchlos an die Mittellage an. Sein Timbre ist dunkler, in der Tiefe voller und runder als das vieler Fachkollegen; die Stimme spricht in jeder Lage leicht an, auch große Sprünge werden mit müheloser Eleganz bewältigt. Den Affektgehalt der Stücke lotet Cencic mit großer Sensibilität für die italienische Sprache umfassend aus, ohne jemals zu übertriebenen Mitteln greifen zu müssen; er ist vielmehr ein Meister der differenzierten Zwischentöne und Nuancen. So dezent umgesetzt ist auch barocker Liebesschmerz niemals ermüdend oder gar peinlich.

Michael Wersin, 15.05.2004



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