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Antonio Vivaldi

Violinkonzerte

Nigel Kennedy, Mitglieder der Berliner Philharmoniker

EMI 557 859-2
(69 Min., 4/2004) 1 CD

Nein, wir sprechen an dieser Stelle nicht über das Cover der CD. Weder wollen wir uns beklagen über das peinliche Palästinensertuch des Ulk-Solisten, noch über die Reduzierung eines immerhin höchst beachtenswerten Komponisten auf eine Nummer, die da so geht: "Vivaldi II" (Zur Erinnerung: hinter Vivaldi Numero uno, im Gegensatz zu diesem blauen Wunder in karmesinfarbenem Rot gehalten, verbargen sich die "Vier Jahreszeiten" mit den gleichen Darstellern übrigens). Geschenkt, das ist alles halb so schlimm. Und immerhin sind ja die Partner von Nigel Kennedy, dem ewigen Pub-Punk, auf dieser Aufnahme, wie schon bei der ersten Vivaldi-Tat, Mitglieder der renommierten Berliner Philharmoniker. Mit anderen Worten: Höchste Qualität ist garantiert. Ist dann auch so, irgendwie, jedenfalls was die Philharmoniker angeht. Ist ordentlich Dampf in der Hütte. Vivaldi, so gespielt, ist auf dem besten Wege, der Pub-Punk des Barockzeitalters zu werden. Die Gretchenfrage sei nur erlaubt: Ist dies denn wohl auch wirklich in Vivaldis Sinne?
Schwer zu sagen. Aber vielleicht hilft ein Bild. Wir sind auf dem Theater. Und da sehen wir auf der Bühne Akteure, die zwar das Stück des hier aufgeführten Dramatikers spielen, es aber nach Gutdünken für ein Pop-Publikum frisieren. Und inmitten der berauschten Schar steht einer, der spielt sich, chargierend bis zum Umfallen, in den Vordergrund selbst da, wo es sich längst nicht mehr ziemt. Der schmiert da herum, schrubbt noch den letzten Krümel vom Parkett, bis dieses Parkett ganz wund ist und aufgescheuert, und setzt Akzente, wohin er will. Die Idee dahinter ist klar: Fetzig, also "modern" und "zeitgeistig" soll dieser Vivaldi sein. Aber seit wann bitteschön ist das Attribut "fetzig" ein Synonym für werkbeschädigend? Hm? Also hilft nur eines: Punker aller Länder, vereinigt Euch. Und schließt Euch dieser Graffiti-Truppe mit dem Oberschrubber, Verzeihung: Obersprayer Kennedy an. Aber vergesst das Dope nicht. Sonst hört Ihr, wie vollkommen schief die Herren liegen.

Tom Persich, 11.12.2004



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