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Antonio Vivaldi

Violinkonzerte RV 331, 190, 325, 217, 303

Giuliano Carmignola, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon

DG/Universal 477 6005
(58 Min., 1/2006) 1 CD

Und die Suche geht weiter. Nach Unbekanntem, was die Signatur des Roten Priesters trägt. In den Turiner Vivaldi-Archiven jedenfalls scheint noch längst nicht alles entstaubt und gesichtet zu sein. Denn neben ständigen Opernentdeckungen hüpfen aus den Schatzkisten regelmäßig auch Concerti des Vielschreibers, die auf Anhieb ihren Praxistest erleben. So wie jetzt gleich fünf Violinkonzerte, die andererseits nicht mehr so ganz taufrisch sind. Wie der Vivaldi-Forscher Olivier Fourés im Booklet zu der Weltersteinspielung der Konzerte mit Giuliano Carmingnola und dem Venice Baroque Orchestra begründet, ist das Material zwar schon länger bekannt (was auch der Cellist Pieter Wispelwey mit einer Aufnahme des transkribierten Konzertes RV 190 dokumentiert hat). Nur stand laut Fourés die musikwissenschaftliche Ignoranz diesen wie übrigens weiteren, rund 35 Konzerten ihrer potentiellen Popularität im Wege.
Ob Fourés mit dieser Behauptung nun recht hat oder nicht - mit dem italienischen Expertenteam um den Solisten Carmingnola und den Dirigenten Andrea Marcon hat man jedenfalls wohl einmal mehr die Gewissheit, dass diese 1724 und 1735 entstandenen Werke ihre Feuertaufe in Referenzqualität bestanden erhaben. An spieltechnischem Schwung, Sturm und Drang, an gestalterischer Finesse und facettenreicher Subtilität bis in die langsamen Sätze hinein, macht diese auf den Originalsound abonnierte Mannschaft ihrem Namen als Vivaldi-Instanz alle Ehre. Dass die Konzerte alles aufbieten, was man von Vivaldi erwartet und gewohnt ist, steht dabei außer Zweifel. Ariose Stimmungskontraste und vitales Ausreizen der partnerschaftlichen Möglichkeiten gehören hier zum guten Ton - dem jedoch irgendwie der endgültige Schliff fehlt, um ein wahrer Coup zu sein. Aber Vivaldi hat ja eben auch nicht weniger als über 200 Violinkonzerte komponiert.

Guido Fischer, 28.07.2006



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