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Antonio Vivaldi

Concerti u. Trios für Mandoline bzw. Laute

Rolf Lislevand, div. Solisten

naïve/harmonia mundi OP 30429
(60 Min., 6/2006) 1 CD

Die Reise durch den Vivaldidschungel geht weiter. So ist die diskografische Sichtung des in Turin gelagerten Werkkompendiums des Venezianers nun bei Vol. 33 angelangt. Diesmal müssen die Spürnasen aber ziemlich enttäuscht gewesen sein. Statt mit einem bisher ungehobenen Schatz die Lautenwelt ein wenig in Aufregung zu versetzen, konnte man nur das halbe Dutzend Werke für Laute bzw. Mandoline sichten, das durchaus längst in repräsentativen Einspielungen vorliegt. Philologischer Eifer ist aber eben das eine. Auf der anderen Seite kann selbst das bekannteste Repertoireross die Ohren spitzen lassen, wenn es nur die entsprechenden Interpreten gefunden hat. Und im Fall der Lauten- und Mandolinenschlager Vivaldis ist dem Norweger Rolf Lislevand ein Gesamtpaket geglückt, das nichts zu wünschen übrig lässt. Vitaler Schwung und verführerische Entspanntheit und Ruhe in den langsamen Sätzen, rhythmische Impulsivität und kantable Geschmeidigkeit – das sind die Tugenden einer Aufnahme, bei der sich keiner an der historischen Aufführungspraxis abarbeitet, sondern sie lebt.
Jeweils zwei Concerti für Mandoline bzw. für Laute sowie zwei Trios für Violine, Laute und B. C. bieten einen Einblick, wie Vivaldi die Saiten- und Zupfinstrumente vorrangig zum adäquaten Dialogpartner der Solostreicher machte. Apart im Klangzauber ("Larghetto lento", Trio RV 82) und verspielt keck (Konzert für zwei Mandolinen RV 523), emotionsgeladen (Lautenkonzert RV 540) und schwungvoll (der Eröffnungssatz des berühmten Konzerts RV 93) gelingt Lislevand mit internationalen Alte-Musik-Spezialisten da ein fesselndes wie facettenreiches Vivaldiporträt. Daran hat übrigens auch die Aufnahmetechnik ihren Anteil. Transparent und obertonreich sind die Concerti eingefangen, während man in den Trios auf eine geradezu körperliche Nähe zu Rolf Lislevand gesetzt hat.

Guido Fischer, 12.05.2007



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