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Heitor Villa-Lobos

Bachianas Brasileiras

Rosana Lamosa, Nashville Symphony Orchestra, Kenneth Schermerhorn

Naxos 8.55 7460-62
(178 Min., 3/2004, 5/2005) 2 CDs

Es gibt derzeit eine ganze Menge Einspielungen von Teilen der "Bachianas Brasileiras", vor allem von der fünften mit dem berühmten Sopransolo, aber keine Aufnahme aller neun Teile außer der vorliegenden - sie alle in einer Doppelbox vereint präsentiert zu haben, ist das besondere Verdienst des Nashville Symphony Orchestra unter Leitung von Kenneth Schermerhorn. Hinzu kommt, dass dieses Orchester deutlich besser disponiert ist als das Orchestre National de la Radiodiffusion Française in den Jahren 1956 und 1958, als Villa Lobos immerhin vier seiner Bachianas mit ihm eingespielt hat (EMI). Allerdings hatte er Victoria de los Angeles, seine Wunsch-Sopranistin zur Verfügung, die die fünfte Bachiana trotz gewisser Engpässe in der Höhe zum Erlebnis zu machen verstand, während Rosana Lamosa in der vorliegenden Produktion dazu leider nicht in der Lage war. So wird der interessierte Hörer, der sich all die schönen Stücke anhört und der fünften Suite entgegenfiebert, um diesen Höhepunkt ein wenig betrogen. Er bekommt dafür aber die ganze Fülle von Villa-Lobos' einzigartiger, unverwechselbarer Tonsprache geschenkt und hat Teil an dessen ambitioniertem - gleichwohl gelungenen - Unternehmen, gewisse Elemente der Musik Bachs in seine heimatliches Idiom, das brasilianische, zu integrieren. Es ist freilich ein rosa gefärbter Bach, den Villa-Lobos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennen und lieben gelernt hat - und so glaubt man etwa in der Introdução der vierten Suite zeitweise Leopold Stokowski seine Betroffenheits-barocken Bachbearbeitungen dirigieren zu hören - aber schön ist sie halt, diese Liaison von südamerikanischem Feuer und mitteleuropäischem Formbewusstsein, und, nochmals Hut ab vor dem Nashville Symphony Orchester: Diese Interpretation kann sich wirklich hören lassen!

Michael Wersin, 04.08.2006



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