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Ralph Vaughan Williams

Merciless Beauty, On Wenlock Edge und andere Lieder

John Mark Ainsley, Nash Ensemble

Hyperion/Koch CDA 67168
(10/1999)

Ralph Vaughan Williams erfreut sich auch als Liedkomponist auf dem Kontinent einer gewissen Bekanntheit, mehr jedenfalls als Roger Quilter, John Ireland oder Gerald Finzi, deren Lieder den Weg über den Kanal kaum gefunden haben. Verantwortlich dafür ist die Tatsache, dass in regelmäßigen Abständen eine Neuaufnahme der „Songs of Travel“ auf erscheint; zuletzt trat Bryn Terfel mit einer solchen hervor.
Diese CD verzichtet auf den effektvollen Zyklus, bietet dem Hörer dafür aber eine Reihe von bei uns wenig bekannten Lied-Perlen, außergewöhnlich auch bezüglich der beteiligten Instrumente. Den Anfang macht der vom Streichquartett begleitete Zyklus „Merciless Beauty“ nach Gedichten von Geoffrey Chaucer aus dem 14. Jahrhundert. Vaughan Williams spielt stilistisch mit der mittelalterlichen Herkunft der Texte durch Fauxbourdon-Anklänge und altertümliche Melodik.
Am Schluss der CD steht der Zyklus „On Wenlock Edge“ nach Gedichten von A. E. Housman. In der von Klavier und Streichquartett begleiteten Liedfolge verbindet Vaughan Williams sinfonisch durchgestaltete Struktur und textausdeutende Bildhaftigkeit zu einem nuancenreichen, in jeder Hinsicht überwältigenden musikalischen Erlebnis. Freilich benötigte auch der leidlich Englisch sprechende Hörer zum Verständnis der komplexen Dichtung, die im Beiheft nur auf Englisch wiedergegeben ist, eigentlich die Hilfe eines Anglisten.
Der Tenor John Mark Ainsley und das Nash-Ensemble bewähren sich als hervorragende Interpreten dieser Werke. Schwerer haben sie es bei den drei weiteren Opera der CD: Hier wird die Gesangsstimme nur von jeweils einem einzigen Instrument (Oboe bzw. Violine) begleitet. Diese entsprechend sparsam komponierten Gesänge bedürfen zur Entfaltung ihres Scharms größtmöglicher Ausdruckskraft der Interpreten, da sie von sich aus nur wenig klanglichen Reiz hergeben. Ainsley und seine Mitstreiter tun auch hier ihr Bestes, aber die Sprachbarriere und der in sich gekehrte Duktus vieler der Stücke erschwert für deutsche Hörer den Zugang zu dieser Musik.

Michael Wersin, 23.11.2000



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