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Hugo Wolf

Lieder

Hans Hotter, Gerald Moore

Testament/Note 1 SBT 1197
(70 Min., 1951, 1953, 1957) 1 CD

Für Sänger, die sich erfolgreich im Wagner-Fach etabliert haben, spielt Liedgesang oft keine große Rolle mehr. Allzu weit liegen mächtige, durchschlagende Stimmentfaltung und flexible, dynamische Untergrenzen berührende Gestaltungskunst auseinander, als dass beides immer gleichermaßen verfügbar gehalten werden könnte. Zu den markanten Ausnahmenkünstlern, die solche gemeinhin für gegensätzlich gehaltenen Bereiche vereinen konnten, gehört der Bassbariton Hans Hotter: Er war der gefeierte Wotan einer ganzen Generation - und zugleich wurde seine Interpretation der "Winterreise" zur Legende.
Der 1909 geborene Hotter gehört zu jener Künstlergeneration, die im Zweiten Weltkrieg wertvolle Zeit und vor allem Chancen verloren hat. Glücklicherweise holte ihn der aufmerksame Produzent Walter Legge gleich nach dem Krieg und in den folgenden Jahren immer wieder nach London ins Studio, um seinen Liedgesang zu dokumentieren. Weniger bekannt sind die Aufnahmen von Wolf-Liedern, die Hotter während der fünfziger Jahre mit Gerald Moore, dem König der Begleiter, für EMI eingespielt hat. Lange vergriffen, sind die 22 Einzelnummern nun wieder erhältlich.
Hotter hatte aber bei den vorliegenden Aufnahmen seine beste Zeit bereits hinter sich. Bemerkbar macht sich dies vor allem in der hohen Lage, die er abgedunkelt, wenig zentriert und bisweilen nasal bildet; angeblich trug auch ein Asthma-Leiden zu diesen Schwierigkeiten bei. Dennoch ist seine Gestaltung etwa der Harfner-Lieder in Wolfs Vertonung unbedingt hörenswert: Hotters sensibler Umgang mit der Sprache und die Fähigkeit, sein opulentes Material kammermusikalisch zu zügeln, führen zu überzeugenden Ergebnissen. Er kommt in Liedern wie "Anakreons Grab" zwar nicht an Fischer-Dieskaus sprachlich feinstens ausziseliertes Piano heran, aber in kräftezehrenden Liedern wie "Prometheus" ist Hotter selbst dem jungen, unverbrauchten Fischer-Dieskau in einer Hinsicht überlegen: Er kann mit der Fülle seiner Stimme überwältigend einherdonnern, während Fischer-Dieskau mit sprachlichen Mitteln kompensieren muss, ohne jedoch das Forcieren immer ganz vermeiden zu können.
Insgesamt klingt Hotter durch die ungünstig gebildete Höhe älter als nötig, und der stellenweise muffige Klang stört die Vermittlung gerade in den humorvollen Gesängen, die er vor allem für die ersten Aufnahmen im Jahre 1951 gewählt hatte.

Michael Wersin, 26.10.2000



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