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Eugène Ysaÿe, Heinz Holliger

Sonate op. 27/3, Violinkonzert

Thomas Zehetmair, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Heinz Holliger

ECM/Universal 476 1941
(53 Min., 9/2002 , 12/2002) 1 CD

Schon in seiner Komposition "Alb-Chehr" hat der Schweizer Heinz Holliger zwar seiner alpinen Heimat mit landestypischen Instrumenten wie dem Hackbrett ein Ständchen gebracht. Nicht aber ohne dabei den Folklore-Ton gespenstisch zu atomisieren und in einen Unruhe stiftendes, hochexpressives Klang-Psychogramm zu verkehren. Diese Gebrochenheit, diese wild bis in die Mikrotonalität aufflackernde Emphase war denn nun auch die Nabelschnur für sein Violinkonzert. Viersätzig angelegt, kleidet Holliger seine lyrisch-abgedunkelte Welt mit einer (Hackbrett-)Archaik bis hin zu einer scheinbar lähmenden Leere aus, die so feingliedrig wie faszinierend kompromisslos ist. Anlass für dieses Violinkonzert war der 75. Geburtstag des Orchestre de la Suisse Romande. Zugleich widmete es Holliger jenem Violinisten und Maler Louis Soutter, der es als Ysaÿe-Schüler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis an das erste Pult des Orchesters geschafft hatte.
Soutter muss aber nicht nur ein genialisch wie unbequemer Kollege gewesen sein. Als Maler schuf er apokalyptisch-höllengleiche Gouachen, von denen Holliger nun vier seinem Violinkonzert unterlegte. Und für den hieraus entstandenen Reichtum an schattenhaften Gesten, geräuschhaften Notizen und virtuos gestalteten Konzentraten fand Holliger für den Solo-Part in Thomas Zehetmair einen idealen Partner. Bis an die Grenzen des Unhörbaren treibt Zehetmair die Ausdrucksfülle mit einem natürlich wirkenden Spielfluss voran. Die grotesk-dämonischen Markierungen setzt Zehetmair bohrend, wie er die scheinbare Lyrizität fast schockierend beleuchtet. Und wie Zehetmair in Ysaÿes Sonate für Solo-Violine op. 27/3 über expressiven Furor und motorische Energie fesselnde Eindringlichkeit entwickelt, darf als viel versprechende Ankündigung der Aufnahme aller Ysaÿe-Sonaten gehört werden, die im Herbst erscheinen wird.

Guido Fischer, 24.07.2004



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