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Richard Wagner

Liebesduette

Deborah Voigt, Plácido Domingo, Orchester der Oper Covent Garden, Antonio Pappano

EMI 7243 5 57004 2 1
(57 Min., 1999, 2000) 1 CD

Vor nahezu fünfundzwanzig Jahren versuchte sich Plácido Domingo erstmals an einer Wagner-Partie. Stimmlich ausgesprochen erfrischend, aber sehr exotisch in Sprache und Stil klang sein Walter von Stolzing damals neben dem Hans Sachs Fischer-Dieskaus. In der Zwischenzeit hat Domingo weitere Tenorrollen in Wagner-Opern sowie andere Stücke in deutscher Sprache gesungen, und diese Aufnahme zweier "Liebesduette" aus "Siegfried" und "Tristan und Isolde" lässt einen weitaus souveräneren und selbstverständlicheren Umgang mit dem Deutschen erkennen, auch wenn Domingo geschlossene Vokale noch immer fremd sind; immer wenn sehr viele Worte auf knappem Raum zu bewältigen sind, merkt man, wie es für ihn unbequem wird.
Allerdings kann die Sprachbehandlung, mit der Domingos Duett-Partnerin Deborah Voigt viel besser zurecht kommt, nur eines von vielen Beurteilungskriterien einer Gesangsleistung sein. Domingos Hauptverdienst ist es, dass er Wagners Kantilenen mit seiner am italienischen Belcanto geschulten Art zu singen streckenweise ein Maß an Scharm und glühender Leidenschaftlichkeit abzugewinnen vermag, das die deutschen Vertreter des schweren Fachs nur selten erreichen. Erstaunlich ist darüber hinaus die Stimmpotenz, über die der auf seinen sechzigsten Geburtstag zugehende Vielsänger noch scheinbar mühelos verfügen kann.
Domingo und Voigt bieten eine Art „südländische Version" des "Tristan"-Duetts "O sink hernieder, Nacht der Liebe": So manches Piano wird angesichts der brennenden Begierde überrannt oder vorzeitig aufgegeben, kaum eine Spur von jener ätherischen Entrückung, die Carlos Kleiber mit René Kollo und Margaret Price zu zaubern vermochte. Trotzdem kann man sich dem Feuer dieser Aufnahme nicht entziehen. Gleiches gilt für den "Siegfried"-Schluss: Voigt und Domingo gelingt es, die in Wagners Musik enthaltene Ekstase in überzeugender, wenn auch manchmal etwas äußerlicher Art und Weise freizusetzen.

Michael Wersin, 10.08.2000



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