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Richard Wagner

Tristan und Isolde

René Kollo, Gwyneth Jones, Hanna Schwarz u.a., Orchester der Deutschen Oper Berlin, Jiri Kout

TDK DV-OPTUI
(233 Min., 1993) 2 DVDs, Dolby digital, DTS, PCM-Stereo, PAL 16:9

Da glaubt man, im Alter lasse das Triebleben etwas nach - dieser Tristan von der Deutschen Oper Berlin jedoch beweist das Gegenteil: Die Sänger der Hauptrollen, die sich hier durch Wagners schwüles Gewoge arbeiten, befinden sich ausnahmslos bereits im sechsten Lebensjahrzehnt. Gesehen hat man das im Opernhaus vielleicht nicht so richtig, denn in Götz Friedrichs Inszenierung ist es meistens recht dunkel.
Die Nahaufnahmen der Filmproduktion sprechen allerdings eine andere, deutlichere Sprache. Und zu hören ist es allemal, besonders bei Gwyneth Jones als Isolde: Ihr Vibrato nimmt streckenweise Besorgnis erregende Formen an. Als sie Brangäne den Auftrag erteilt, Tristan mit scharfen Worten herzuzitieren, weiß man nicht, ob Brangäne über die Bedeutung der Worte erschrickt oder über Isoldes Gesang.
René Kollo steht seiner Partnerin in punkto unruhiger Stimmführung nicht nach; man fragt sich, warum König Marke die beiden rüstigen älteren Herrschaften nicht einfach gemeinsam ihren Lebensabend verbringen lässt - aber nein: Robert Lloyd lässt da gar nicht mit sich spaßen, obwohl auch er alles andere als taufrisch ist.
Erleichterung verschaffen dem geplagten Zuschauer nur die Auftritte von Brangäne (Hanna Schwarz) und Kurwenal (Gerd Feldhoff), denn die haben sich spürbar besser gehalten und liefern tatsächlich sehr beachtliche Leistungen ab. Doch unterm Strich ist das zu wenig für eine gute Tristan-Aufführung.

Michael Wersin, 21.11.2002



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