Eine Perle der Lohengrin-Aufnahmegeschichte: 1959 erklang das Werk in Bayreuth unter Leitung von Lovro von Matačić in einer wahrhaft mitreißenden Version, die sich u. a. durch eine besonders interessante Sängerbesetzung auszeichnet; zwar sind Elisabeth Grümmer (Elsa), Sándor Kónya (Lohengrin), Rita Gorr (Ortrud) und Franz Crass (König Heinrich) auch in anderen Einspielungen dieser Oper zu hören, aber ihr gemeinsames Auftreten im vorliegenden Mitschnitt ist von besonderem Reiz. Franz Crass, der über eine der wohlklingendsten Bassstimmen des 20. Jahrhunderts verfügte, verleiht der Partie des König Heinrich ebensoviel Würde wie menschliche Wärme; Elisabeth Grümmer verbindet in ihrer Interpretation der Elsa Keuschheit mit frisch erblühender Weiblichkeit; Sándor Kónya versteht als Lohengrin auf der Basis der ihm eigenen, überwiegend lyrischen Stimmqualitäten ein breites Spektrum gedämpfter bis strahlkräftiger vokaler Farben abzudecken. Rita Gorr gestaltet die Rolle der finsteren Ortrud ganz aus vollblütiger Leidenschaftlichkeit heraus, die sie überzeugend ins dämonisch Böse abdriften zu lassen vermag, ohne dabei hässliche Töne produzieren zu müssen. Einen adäquaten Telramund an ihrer Seite stellt man sich allerdings gefährlicher und im Grundtonfall viriler vor als Ernest Blanc, der seine Stimme nicht wirklich zu bedrohlicher Gewalt fokussieren kann und darüber hinaus mit der deutschen Sprache seine Probleme hat. Überaus erfreulich hingegen Eberhard Wächter als jugendlich-kraftvoller Heerrufer. Unterm Strich also ein mehr als erfreulicher Lohengrin, den Orfeo erstmals in einer offiziellen Edition der Vergessenheit entreißt - ein begrüßenswertes Engagement!

Michael Wersin, 17.11.2006



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