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Richard Wagner

Tristan und Isolde

Christine Brewer, John Treleaven, Dagmar Pecková, Boaz Daniel, Peter Rose u.a., BBC Symphony Orchestra, Donald Runnicles

Warner Classcis 2564-62964-2
(248 Min., 12/2002, 2/2003) 4 CDs

Hinsichtlich der Anzahl von "Tristan und Isolde"-Aufnahmen dürften wir uns mittlerweile irgendwo im sechsten Dutzend bewegen – da müsste man schon etwas besonderes bringen, um mit einem neuen "Tristan" richtig aufzufallen. Das gelang mit dieser Live-Produktion aus der Londoner Barbican Hall unterm Strich sicher nicht. Zwar verfügt Christine Brewer, die Interpretin der Isolde, über eine wohltimbrierte, zumindest über weite Strecken nicht allzu tremulante Stimme von genügender Größe und Körperhaftigkeit; allerdings erfährt der Text im Ergebnis doch sehr stiefmütterliche Behandlung, denn Frau Brewer befleißigt sich der für eher umfangreiche Diven typischen gaumig-verquollenen Diktion. Die Brangäne an ihrer Seite, Dagmar Pecková, ist stimmlich überfordert: Ihr Gesang präsentiert sich unruhig und angestrengt, dazu ist ihr Timbre irritierenderweise deutlich heller als das der Isolde, was in Dialogen immer wieder zu Verwirrung führt. John Treleaven als Tristan macht sich anfangs ganz gut, kann er doch Legato singen und verfügt über wohltuend lyrische Stimmqualitäten. Während des großen Liebesduetts im zweiten Aktes allerdings beginnt – nach durchaus noch eindrucksvoller Eingangsleistung – seine Stimme in der Höhe besorgniserregend zu flackern. Tristans Faktotum Kurwenal (Boaz Daniel) erweckt mit seiner nicht ganz im Fokus befindlichen hohen Lage bei seinem ersten Auftritt Besorgnis im Blick auf die Herausforderungen im letzten Akt; die meistert er vor diesem Hintergrund dann zugegebenermaßen recht anständig. Insgesamt kein großer Wurf also; wirklich mitreißende oder gar überwältigende Momente bleiben aus, auch bei Donald Runnicles sehr souveränem Dirigat: Zwar freut man sich im Vorspiel über die gute Klangkultur des Orchesters mit seinen schönen Farben, aber immer wieder fragt man sich, wann es denn so richtig losgeht mit dem Spannungsaufbau.

Michael Wersin, 12.01.2007



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