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William Walton

1. Sinfonie

London Symphony Orchestra, Colin Davis

LSO/Note 1 SACD 0576
(46 Min., 12/2005) 1 CD

Terra incognita ist, abgesehen vielleicht vom berühmten Bratschenkonzert, hierzulande die Musik des Briten William Walton (1902-1983). Macht nichts, so kann man Faszinierendes wie seine erste Sinfonie in b-Moll, ersonnen und mit Mühe zu Papier gebracht in den Jahren 1931 bis 1935, noch ganz neu entdecken, zumal in einer so packenden, farbenreichen und differenzierten Luxus-Interpretation wie der vorliegenden des London Symphony Orchestra unter Leitung seines Chefs Colin Davis. Ausgesprochen mitreißend, oft geradezu atemberaubend sind die von Walton entfachten bzw. entfesselten sinfonischen Prozesse, überaus ansprechend und aussagekräftig kommt seine tonale, aber häufig stark dissonante Tonsprache daher. Tiefgreifende Leidenschaftlichkeit und Expressivität und auch eine nicht zu unterschätzende zornige Verzweiflung (mit "Presto, con malizia" bezeichnete er das Scherzo, "Brio ed ardentamente Vivacissimo Maestoso" soll das Finale des Schlusssatzes sein) bestimmen die Musik Waltons, nichts von der freundlich-heimeligen, Volkston-inspirierten Behaglichkeit vieler spätromantischer Briten (nicht dass die nicht auch gefallen könnte!) ist hier zu spüren; nein, Walton geht eher mit jener Gnadenlosigkeit ans Komponieren, die etwa auch die Musik seines nicht minder unbekannten Zeitgenossen Herbert Howells auszeichnet. Hörenswert, unbedingt hörenswert, vor allem für diejenigen, die bisher glaubten, englische Musik müsse auch zwischen den Weltkriegen noch immer nur wie Vaughan Williams klingen!

Michael Wersin, 22.09.2006



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