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John Ward

Consort Music

Rose Consort of Viols

cpo 999 928-2
(71 Min., 4/1998) 1 CD

Was könnte es schöneres geben als englische Consort Music aus den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts? Im drei- bis sechsstimmigem Satz fließt diese edle, bestechend reine und homogene Musik dahin und strahlt trotz ganz unterschiedlichen Graden der Bewegtheit immer eine unbezwingliche Ruhe aus. John Ward (ca. 1589-1638) ist der Komponist der 25 Stücke dieser CD, mit denen das "Rose Consort of Viols" sein einzigartiges Können unter Beweis stellt: Völlig ohne Vibrato spielen die Künstler ihre Instrumente aus der einst vielfältigen Familie der Violen, die den heutigen Geigen vorangingen; die Intonationsreinheit, die sie ohne die Möglichkeit des Ausgleichens durch Vibrieren dabei fast lückenlos erzielen, müsste praktisch jedem modernen Streichquartett Schweißperlen auf die Stirn treiben.
Es erklingen Stücke ganz unterschiedlicher Faktur: Aires und Fantasias durchziehen das Programm ebenso wie "In Nomine"-Kompositionen. Letztere Gattung bezieht sich auf John Taverners berühmte "Missa Gloria tibi trinitas", aus deren Benedictus eine Passage ("In Nomine") von vielen englischen Komponisten wieder und wieder aufgegriffen und zur Parodie-Vorlage für eigene Stücke gemacht wurde. John Ward partizipierte ausführlich und abwechslungsreich an dieser Tradition. Ferner bieten die Musiker auch einige englische und italienische Madrigale aus seiner Feder nach alter Tradition textlos dar.
Der geübtere Hörer nimmt die zumeist kleingliedrig-polyphone Anlage dieser Musik wahr, deren imitatorische Struktur hin und wieder von einem Cantus firmus in langen Notenwerten durchzogen ist. So vollkommen erscheint die Satztechnik, dass John Wards eigentlicher Beruf ungläubiges Staunen hervorruft: Er war kein Profi-Musiker, sondern ein Liebhaber. Hauptsächlich arbeitete er, möglicherweise als Sekretär, für Sir Henry Fanshawe, den Eintreiber des königlichen Schatzamtes. Glücklicherweise war sein Vorgesetzter als Musikliebhaber und Mäzen weithin bekannt, und Ward hatte in seinen Diensten wohl reichlich Gelegenheit, mit den Künstlern seiner Zeit Bekanntschaft zu schließen und ihr Repertoire um zahlreiche wunderbare Werke zu bereichern.

Michael Wersin, 25.10.2003



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