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Ostinati Balli

Werke aus einem venezianischen Manuskript des 17. Jahrhunderts

Ensemble In Tabernae Musica

Tactus/Klassik-Center 600005
(61 Min., 11/2002) 1 CD

Elegant schreitet Massimo Lombardi an seiner Laute die Gagliarda im wiegenden Rhythmus ab, streut Silvano Ariola an der Orgel allerlei virtuose Figuren dazwischen. Und plötzlich stockt dieser Tanz, scheint er aus dem Takt zu geraten, löst er sich burlesk in wenige Noten auf. Lombardi und Ariola jedenfalls können sich dabei nicht mehr halten, wird noch schnell einmal an der Laute hinterher gezupft, um das Tränenlachen auf die Spitze zu treiben. So ausgelassen wird es danach zwar nicht werden. Und auch schon vorher sorgten die Passacaglias, Ciacconas und Saltarellos vorrangig für würdevolle Unterhaltung. Schließlich hat sich Lombardi mit seinem Ensemble In Tabernae Musica auf eine Zeitreise zurück in das Italien des 17. Jahrhunderts gemacht. Wo an den Fürstenhäusern die musikalische Mode immer noch mit Anstand und Sitte vorgeführt wurde. Und das besonders von den unzähligen, berühmten wie unbekannten Lautenisten Italiens, die mit ihren Miniaturen das anspruchsvolle Gemüt rundum versorgten. 16 dieser kleinen, repräsentativen Stücke aus anonymer Feder sind auf "Ostinati Balli" versammelt. Sie stammen aus einem Manuskript, auf das die Musiker in der Nationalbibliothek in Venedig gestoßen sind.
Dass die Handschriften nicht gerade formvollendet ausformuliert worden waren, stellte die vier Musiker jedoch nicht vor große Probleme. Für Saiteninstrumente, Orgel, Flöte und Schlagwerk erarbeiteten sie sich die Vergangenheit neu, ohne sich hierbei auch nur annähernd vom Authentizitätsprinzip zu distanzieren. So besitzen die Stücke jene Strenge und jenen Geist, mit dem zweifellos damals die Melancholie wie die Bewegungslust befriedigt worden sind. Zu traurigen, vielfarbigen Liedern ohne Worte verwandeln sich die Passacaglias, vermitteln die Balli di Montova mit Tambourinbegleitung zwischen Haltung und Beinschwung.

Guido Fischer, 24.04.2004



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