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Johann Sebastian Bach

Alles mit Gott

Elin Manahan Thomas u.a., Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

SDG/harmonia mundi SDG 114
(60 Min., 2000, 7/2005) 1 CD

So mancher glühende Verehrer der Bach'schen Vokalmusik mag in unruhigen Nächten nach mitreißenden Hörerlebnissen davon geträumt haben, es könnten etwa die zwei verlorenen Fünftel des Kantatenbestandes plötzlich wieder auftauchen - unvorstellbar, dass diese Musik, die komponiert wurde und erklungen ist, einfach unwiederbringlich dahin sein sollte. Im Falle der Kantaten, damit werden wir uns doch wohl abfinden müssen, wird sich nicht mehr viel tun; aber dass auch Musik von Bach überraschend auftauchen kann, von deren Existenz niemand etwas wusste, zeigt der Zufallsfund des Musikwissenschaftlers Michael Maul: Ihm fiel kürzlich bei systematischen Recherchen in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek eine einzelne Arie Bachs in die Hände. Es handelt sich dabei um die Vertonung des zwölfstrophigen Geburtstagsglückwunsches eines Superintendenten namens Mylius für Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar, entstanden im Jahre 1713. Bach schuf zu diesem Zweck ein Generalbass begleitetes Sopransolo, das unverändert alle zwölf Textstrophen aufnimmt, aber als "Interludium" zwischen den Strophen ein längeres, kunstvoll imitatorisches Ritornell für zwei Violinen und Basso continuo über die thematische Substanz der Arie vorsieht. Die geschmeidige Führung aller melodischen Linien, die stringente Harmonienfolge tragen unverkennbar die Handschrift des jungen Bach; wenn es sich bei "Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn" auch nicht um eine Komposition mit dem Tiefgang etwa der ganz großen und überwältigenden Arien aus dem Kantatenwerk handelt, so ist es doch ein beglückendes Erlebnis, dieses vergessene Stück nun erstmals auf CD zu hören: John Eliot Gardiner spielte es mit der vorzüglichen Sopranistin Elin Manahan Thomas ein (keine Sorge, nicht alle zwölf langen Strophen, sondern nur drei) und veröffentlichte es innerhalb seiner Kantaten-Gesamtaufnahme; es fand sich allerdings offenbar kein "regulärer" Platz im Editionsplan, und so wird dem in Gardiners Version etwa zwölf Minuten lange Stück die Ehre einer Einzelveröffentlichung zuteil. Den großen Rest an Spielzeit hat man mit Auszügen (weitgehend Einzelsätze) aus anderen Kantaten gefüllt, was den Sammler vielleicht ärgern, aber den Gelegenheitshörer möglicherweise freuen wird.

Michael Wersin, 12.11.2005



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