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Johann Sebastian Bach

Sonaten für Violine und obligates Cembalo

Florence Malgoire, Blandine Rannou

Zig Zag Territoires/Note 1 ZZT 050801
(98 Min., 5/2003)

Als aufregend zunächst in klanglicher Hinsicht erlebt der Hörer von der ersten Sekunde an diese Einspielung: Die Abnahme des Klangs sehr nahe an den Instrumenten lässt einen förmlich eintauchen vor allem in den süffig-silbrigen Klang des wundervollen Cembalos, der 1985 in Paris entstandenen Kopie eines barocken Instruments. Die Violine, ein Amati-inspiriertes Instrument von 1981, hat einen dunklen, vollen und warmen Klang entgegenzusetzen; faszinierend die Tiefenschärfe und Prägnanz der beiden so verschiedenen Klangfarben allein und ihrer hier als atemberaubend gewagt erscheinenden Mischung.
Florence Malgoire und Blandine Rannou verstehen es, auch die interpretatorische Ebene zum aufregenden Erlebnis zu machen: Unter Hochspannung dialogisieren Violine und rechte Hand des Cembalos, in den schnellen Sätzen mit funkelnd-feuriger Virtuosität, in den langsamen Sätzen mit unbestechlicher Konzentration auf das Ausspannen langer Phrasen und weiter melodischen Bögen. Sie bringen die Musik zum Sprechen - im Falle von Blandine Rannou geschieht dies vor allem mittels winziger agogischer Nuancen, denn der Klang des Cembalos ist als solcher freilich kaum modulationsfähig; im Falle von Florence Malgoire sind es besonders dynamische Mittel, die bei vibratoarmem Spiel zur überzeugenden Verlebendigung der Musik führen. Dass unter so grundverschiedenen Voraussetzungen in puncto Gestaltungsmöglichkeiten der beiden Instrumente ein gemeinsames interpretatorisches Wollen überzeugend umgesetzt werden kann, bleibt ein faszinierender Aspekt gerade im Zusammenhang mit dem vor nicht allzu langer Zeit (und gelegentlich auch heute) noch ausgiebig gescholtenen Cembalo. Wünsche lässt diese Einspielung der Bach'schen Violinsonaten kaum offen; ein kleiner Wermutstropfen sind allerdings gelegentliche Unsauberkeiten im Violinpart, die vielleicht noch hätten korrigiert werden sollen.

Michael Wersin, 10.12.2005



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