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Laurent Belissen

Magnificat, Nisi Dominus, Laudate pueri

Jean-François Lombard, Vincent Deliau u.a., Ensemble Baroque Les Festes d'Orphée, Guy Laurent

K 617/helikon harmonia mundi K617150
(70 Min., 1998 - 2002) 1 CD

1693 in Aix-en-Provence geboren, zählte Laurent Belissen zu einer Reihe von Komponisten aus dem Süden Frankreichs, die auch fernab von Paris sich künstlerisch behaupten konnten. Wenngleich Belissen wie Pierre Gautier oder Jean Audriffren schon mal an die Seine fuhren, um sich dort die letzte Weihe abzuholen. Nötig hatte es Belissen aber nicht. Seine jetzt erstmals eingespielten Sakral-Kompositionen können durchaus mit den Werken von Campra, Desmarest und Lully konkurrieren, sind sie in ihrem formalen und effektvollen Wirkungsradius auf der Höhe der Mode. Das "Magnificat" präsentiert sich brilliant bis enthusiastisch, beweist es in einer deklamatorischen Kraft Gelenkigkeit. Und auch die Motetten "Nisi Dominus" und "Laudate pueri Dominum" bewegen sich in ihrer stilistischen Kompetenz auf der Höhe der damals angesagten Grand-Motet-Kunst.
Doch trotz dieser viel versprechenden, musikalischen Substanz machen es die Musiker dieser Entdeckung geradezu schwer. Was weniger an dem von Guy Laurent umsichtig geleiteten Ensemble Baroque Les Festes d'Orphée liegt, das erst seit 1999 zusammenarbeitet und dessen Mitglieder als Musik-Archäologen einen nachvollziehbar guten Namen gemacht haben. Es sind hingegen nahezu alle Sänger-Solisten sowie der idiomatisch überforderte Chor, die dem Klangbild eine Brüchigkeit, eine Dünnatmigkeit verleihen, dass man sich bisweilen fragt, ob vielleicht die Vokal-Partien separat und ohne Oberaufsicht aufgenommen wurden.

Guido Fischer, 13.12.2003



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