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Luciano Berio, Gustav Mahler u. a.

"Attrazione d'Amore", "Voyage to Cythera"

Frank Scheffer, Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Riccardo Chailly

Juxtapositions/Naxos
(110 Min., 1998, 1999)

Da die Aufmachung dieser DVD mehr Rätsel als Antworten auf den möglichen Inhalt bietet, hier zunächst einmal worum es geht: Frank Scheffer hat zwei Musikfilme gedreht, "Attrazione d'Amore" (1998) und "Voyage to Cythera" (1999), die beide etwas mit dem Concertgebouw-Orchester zu tun haben. "Attrazione d'Amore" beschreibt in erster Linie die Arbeit Riccardo Chaillys, der das berühmte Amsterdamer Ensemble seit 1988 als Chefdirigent leitet. Im Mittelpunkt steht eine Einstudierung von Gustav Mahlers 5. Sinfonie, aber auch Chaillys Verhältnis zu seinem großen Vorgänger Willem Mengelberg, der das Concertgebouw erst zu Weltruhm gebracht hatte. Interviewszenen mit dem Dirigenten wechseln mit Zeugnissen von Musikerkollegen und Probenszenen.
      "Voyage to Cythera" zeigt die Einstudierung von Luciano Berios "Sinfonia" von 1968 mit dem Concertgebouw-Orchester unter der Leitung des Komponisten. Das Werk enthält eine Vielzahl von Zitaten und collagehaften Teilen, besonders wiederum aus Mahlers 4. Sinfonie aber auch von Schönberg, Strawinsky und vielen anderen. Der niederländische Regisseur Frank Scheffer arbeitet hier selbst in einer Collagetechnik, die natürlich Probenszenen umkreist, den Komponisten in seinem Atelier zu Wort kommen lässt aber auch Bilder und Eindrücke der von Berio zitierten Komponisten verarbeitet, bis hin zu historischen Filmmaterial, auf dem man Schönberg hampeln sieht.
      Dieser zweite Film ist vom cineastischen Standpunkt aus sicher der stärkere. Luciano Berio erweist sich als Grandseigneur der Musik wie der geistreichen Plauderei, und die Bildsprache verschmilzt mit der Musik zu einer neuen künstlerischen Einheit. Die Neugierde auf das ganze Werk, die "Sinfonia", wird beim Zuschauer angestachelt, und man bedauert nur, es nicht im Anschluss an den Film als Zugabe auf dieser DVD zu finden. Auf die deutschen Untertitel ist allerdings nicht immer Verlass, etwa, wenn in "Attrazione" Alexander Zemlinsky zu "Zamunski" mutiert. Da sollte man sich lieber an dem englisch-holländisch-deutschen Sprachgewirr erfreuen.

Matthias Reisner, 02.06.2006



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