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Johann Sebastian Bach

Kantaten Vol. 28 (BWV 26, 62, 116, 139)

Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Makoto Sakurada, Peter Kooij, Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

BIS/Klassik Center SACD-1451
(68 Min., 3/2004) 1 CD

Für Tenor- und Basssolisten eine Tour de force, für den Altisten nur eine punktuelle Herausforderung, für die Sopranistin hingegen eine Ruhepause ist die 28. Folge von Suzukis Bachkantaten-Gesamtaufnahme mit vier Werken aus dem Leipziger Choralkantaten-Jahrgang. Makoto Sakurada bewährt sich hervorragend in der sechsminütigen Koloratur-Orgie "So schnell ein rauschend Wasser schießt" aus BWV 26: Wer könnte, so scheint es, diese aberwitzigen Tonkaskaden auch auf dem linken Bein stehend bewältigen; nirgends verhakt er sich, immer bleibt er entspannt und am Text orientiert. Ähnlich überzeugend zeigt sich Sakurada auch in den Tenorarien von BWV 62 und BWV 139; allenfalls seine etwas enge (aber in der Regel nicht forcierte) Höhe lässt den einen oder anderen Wunsch offen. Peter Koiij, häufiger westlicher Gast bei Suzuki, hat in dieser Folge ebenfalls Spektakuläres zu bewältigen: "Streite, siege, starker Held" aus BWV 62 bietet eine Fülle von Koloraturen, "An irdische Schätze das Herze zu hängen" aus BWV 26 fordert Standvermögen in der tiefen Lage im Wechsel mit großer Beweglichkeit. Koiij meistert diese Herausforderungen - besonders die Koloratur-Feuerwerke - durchaus eindrucksvoll auf der Basis seines immer leicht knödeligen Klanges. In der hohen Lage fühlt er sich hörbar wohler, aber er ist als Bariton für die unvermeidlichen Höhen-Flüge auch dieser Arien die bessere Wahl, denn nichts nervt bei Bach mehr als das unfreie, abgedunkelte obere Register vieler "echter" Bassisten. Robin Blaze erfreut in seiner Arie "Unaussprechlich ist die Not" aus BWV 116 durch ein unverwüstlich glockenreines Timbre, mit dem er sicher durch die chromatischen Irrungen seines Parts steuert. Was bleibt zu sagen? Auf instrumentaler Ebene agieren Suzukis Musiker wieder auf allerhöchstem Niveau und bringen mittels durchsichtiger Spielweise, perfekter Homogenität und wohldosierter Gewichtung der Einzellinie vielerorts neue Nuancen der Partituren zum Vorschein.

Michael Wersin, 07.01.2006



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