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Heinrich Ignaz Franz Biber

Musique au dôme de Salzbourg

arsys Bourgogne, Pierre Cao

ambroise/Note 1 AMB 9936
(49 Min., 5/2003) 1 CD

In den letzten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts wirkte Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) in Salzburg als Kapellmeister des Erzbischofs Maximilian Gandolph. Der Nachwelt blieb er vor allem als spektakulärer Violinvirtuose und in diesem Zusammenhang als Komponist der in vieler Hinsicht rätselhaften Rosenkranz-Sonaten in Erinnerung; von seiner Kirchenmusik erfährt besonders die monumentale "Missa Salisburgensis" zu 54 Stimmen bis heute Aufmerksamkeit. Zur geistlichen Sparte in Bibers Werkkatalog gehören neben weiteren Messen auch zwei Requiems, ein festlich-repräsentatives in A und ein stilleres, kleinformatigeres in f; letzteres nahmen sich Pierre Cao und sein Ensemble "Arsys" für diese CD vor. Es handelt sich um ein vergleichsweise kurzes Werk für Chor, fünf Solisten und Streicher, die im Tutti die drei Unterstimmen des Chores verstärken; mit der Beschränkung der zeitlichen Ausdehnung korrespondiert also eine bescheidene Instrumentalbesetzung. Biber verzichtet auf die Vertonung des Graduale und des Tractus, widmet sich dafür aber der Sequenz, und dies auf bemerkenswert stringente Weise: Der gewaltige Textcorpus wird nicht zum mehrsätzigen Zentrum des Werks, sondern erfährt eine knappe, sehr flüssige Vertonung, die dadurch aber keineswegs an der Oberfläche bleibt; hier zeigt sich die Meisterschaft Bibers, auch auf kleinstem Raum sehr abwechslungsreich und mit stupender Prägnanz die Worte eindringlich zum Erklingen zu bringen.
Caos hervorragendes Ensemble meistert das eindrucksvolle Werk mit tadelloser technischer Souveränität und vollkommener klanglicher Ausgewogenheit; unter den Solisten sticht die bisher allzu wenig auf Tonträgern vertretene Sopranistin Gerlinde Sämann durch geschmeidig-klangschöne Stimmgebung von geradezu ätherischer Leichtigkeit hervor.
Vier bisher noch niemals aufgenommene Offertorien-Vertonungen Bibers ergänzen das Programm dieser gelungenen, insgesamt leider ein wenig kurzen CD auf sinnvolle Weise und vertiefen den Eindruck von Biber als hochrangigem, mit großer Sensibilität gegenüber dem Text vorgehenden Komponisten geistlicher Musik.

Michael Wersin, 13.03.2004



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