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Ernest Bloch

Das Gesamtwerk für Geige und Klavier

Latica Honda-Rosenberg, Avner Arad

Arte Nova/BMG 74321 76810 2
(119 Min., 1999) 2 CDs

Immer wieder überrascht das Niedrigpreis-Label Arte Nova mit ausgesprochen hochwertigen CDs, die interessantes, selten zu hörendes Repertoire in hervorragenden Interpretationen präsentieren. Im vorliegenden Fall erwarten den Hörer zwei Stunden leidenschaftlicher, streckenweise etwas exotischer, aber immer fesselnder Musik des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch (1880-1959).
Unterschiedliche Schaffensphasen Blochs sind in den Werken dieser CDs repräsentiert: Die beiden Sonaten für Violine und Klavier entstanden in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre, und sie sind gekennzeichnet durch eine schier überwältigende Expressivität und Dramatik, die teilweise ans Obsessive grenzt. Eher experimentelle Abschnitte, denen oft eine ostinate Figur oder ein kurzer Motivfetzen zu Grunde liegt, alternieren mit feurigen Passagen, die spätromantische Vorbilder durchscheinen lassen, ohne eklektizistisch zu sein; neben hoher kompositorischer Könnerschaft ist die Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache hörbar.
Wenige Monate vor seinem Tod komponierte Bloch die beiden weitaus abgeklärteren Suiten für Violine solo. Hier ist das Vorbild Johann Sebastian Bachs gegenwärtig: Barocke Verarbeitungstechniken wie Sequenzierung und Fortspinnung kommen zum Einsatz, und die strukturell oft sehr streng angelegten Sätze entspringen in einfallsreicher Weise einem kurzen Motivbaustein. Darüber hinaus sind in Blochs Musik hebräische Themen und Tonfolgen, die an solche anklingen, allgegenwärtig. Sie geben den Werken des jüdischen Komponisten eine besondere, kulturübergreifende Note.
Die kroatisch-japanische, in Deutschland aufgewachsene Geigerin Latica Honda-Rosenberg und der israelische Pianist Avner Arad meistern die sehr anspruchsvollen Werke mit Souveränität und Brillanz. Honda-Rosenberg fasziniert durch mitreißende Intensität ihres Spiels ebenso wie durch breite Farbenspektrum auch in äußersten Piano-Regionen. Das wenig bekannte Repertoire und die engagierte Darbietung versprechen ein packendes, den musikalischen Horizont erweiterndes Hörerlebnis.

Michael Wersin, 07.09.2000



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