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Ernest Bloch

Suites pour violoncelle

Emmanuelle Bertrand, Pascal Amoyel

harmonia mundi HMC 901810
(72 Min., 12/2002) 1 CD

Es gibt ab und zu CDs, die den Hörer für eine gute Stunde lang den Alltag vergessen lassen; die vorliegende ist eine davon. Ernest Bloch vermochte mit den zwangsläufig weitgehend einstimmigen Kantilenen seiner Suiten für Violoncello solo mehr auszusagen als manch anderer mit sinfonischem Großaufgebot, und Emmanuelle Bertrand erweist sich als kongeniales Medium für diese ungeheuer intime Kunst. Faszinierend etwa die Ausdrucksvielfalt gleich der ersten der drei 1956 und 1957 entstandenen Solo-Suiten: Auf einen vergleichsweise strengen Kopfsatz, der sich die Energie für seine eigenwilligen, stets bewegter werdenden melodischen Bögen immer wieder aus der Basslage des Instruments holt, folgt ein extrovertierteres, am Anfang beinah schroffes Allegro, dessen kurze lyrische Passagen schon den dritten Satz, eine Canzona, vorwegzunehmen scheinen. Diese beginnt, anfangs ganz zerbrechlich, in hoher Lage und findet von dort aus erst ihren Weg auch in tiefere Register. Am Ende gibt sie die Bodenhaftung wieder auf und verliert sich in zarter Ungewissheit. Ein robuster, zuversichtlich gestimmter Finalsatz, der wie ein alter englischer Sommerkanon daherkommt, bildet als diesseitigstes der vier Stücke den Schluss der Suite.
Über die technische Beherrschung des Instruments braucht im Fall von Emmanuelle Bertrand ebenso wenig verhandelt zu werden wie über die beachtliche Schönheit ihres Tons, denn beides sind bei ihr selbstverständliche Grundlagen für ein ganz der Expression gewidmetes Spiel von faszinierender Reife und Tiefgründigkeit. Ernest Blochs Kammermusik für Cello - die solistische ebenso wie die klavierbegleitete, für die sie mit Pascal Amoyel einen adäquaten Partner gefunden hat - bietet Emmanuelle Bertrand eine Klang- und Formenwelt, in der sie sich mit großer Souveränität und Kreativität bewegt. Für die nach wie vor sträflich unterrepräsentierte Musik Blochs bedeutet diese Aufnahme einen weiteren interpretatorischen Glücksfall - einige wenige hat es in jüngerer Vergangenheit immerhin gegeben -, der hoffentlich nicht ohne Folgen für die Verbreitung dieses Repertoires bleiben wird.

Michael Wersin, 17.04.2004



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