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Momentum

Joshua Redman, Elastic Band

Nonesuch/Warner 79864-2
(57 Min.) 1 CD

Mit der Aufnahme "Elastic" gelang Joshua Redman 2002 ein regelrechter Befreiungsschlag. Noch nie hatte der Tenorsaxofonist so erleichtert, so gelassen und so reduziert geklungen, seitdem man ihm Anfang der 1990er die Mission aufgebürdet hatte, den Jazz zu retten. Auch wenn Joshua, Sohn der stillen Legende Dewey Redman, in Interviews betont hatte, dass er sich lieber selber rette und spiele, was er wolle – die Mischung aus Traditionsaufarbeitung und stupender Virtuosität, die der junge Redman auf seinen Platten pflegte, zeugte von dem Beweisdruck, unter dem der Knabe all die Jahre gestanden haben muss. "Elastic" machte ein Ende damit. Als wohltuend krampflösendes Mittel fungierten dabei die Keyboards des Orgelquerdenkers Sam Yahel.
Der Saxofonist und der Tastenmann mit der Lizenz für tödliche Bassläufe bilden nun den Kern der Joshua Redman Elastic Band auf "Momentum". Das vormalige feste Triomitglied Brian Blade am Schlagzeug ist zwar auch noch bei fünf der 13 neuen Stücke zu hören; beim Großteil der CD sitzt jetzt aber der ungemein trocken agierende Jeff Ballard auf dem Schemel. Dessen hyperventilierender Funk passt großartig zu Redmans Musik, die noch spielerischer und durchgeknallter daherkommt als auf dem "Elastic"-Erstling.
Wie Joshua, Yahel und Ballard gemeinsam mit dem Vibrafonisten Stefon Harris aus Ornette Colemans "Lonely Woman" eine Ballade für die Klangmoderne machen, mit heiserem Bläserschluchzen aus schizophrenen Hallräumen, seltsamem Synth-Geblubbere und irrem Schlagwerk – das hat was. Überhaupt überzeugt die Unerschrockenheit, mit der die Elastic Band (der unter anderem so pop-prominente Gastmusiker wie der Bassist Flea von den Red Hot Chili Peppers oder ?uestlove, Drummer der HipHop-Feingeister The Roots, angehören) Tanzbares mit Experimentellem, Jazzrock mit Folk, Headhunters mit Sheryl Crow kombiniert. Mitte 30 ist Joshua Redman jetzt; er macht Musik, die seinem Alter entspricht. Den Spaß und die Selbstgewissheit hört man ihm deutlich an. Und das ist mehr als gut so.

Josef Engels, 11.06.2005



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