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Johann Sebastian Bach

Cantata Pilgrimage Vol. 14: BWV 91, 110, 40 u. 21

Katharine Fuge, Joanne Lunn, Robin Tyson, William Towers, James Gilchrist, Peter Harvey, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

SDG/harmonia mundi 113
(71 Min., 12/2000) 1 CD

Vier Weihnachtskantaten Johann Sebastian Bachs, aufgeführt und live eingespielt kurz vor Ende der Cantata Pilgrimage in der New Yorker Kirche St. Bartholomew’s am 25. Dezember 2000: Ein Jahr lang waren John Eliot Gardiner und seine Musiker zu diesem Zeitpunkt allein in Sachen Bach-Kantaten unterwegs gewesen, und man merkt ihnen weniger die Erschöpfung als die tiefe Vertrautheit mit der Musik des Thomaskantors an, die sie sich auf ihrer langen Reise erworben haben. Souverän gestalten sie etwa die wundervolle Kantate "Gelobet seist du, Jesu Christ" BWV 91, in der Bach nach im Eingangschor sich aufbauendem Weihnachtsjubel immer wieder den kaum begreiflichen Widerspruch zwischen Gottes unermesslicher Größe einerseits und seinem Einzug in die Welt in einem menschlichen Leib andererseits thematisiert. Höchst konzentriert dialogisiert die Sopranistin Katharine Fuge im zweiten Satz, der auf musikalischer und textlicher Basis des titelgebenden Chorals ebendiesen Horizont eröffnet, mit dem Continuocello; hervorragend disponiert drängt der Tenor James Gilchrist in seiner Arie "Gott, dem der Erdenkreis zu klein" mit seinen Melodielinien auf unmittelbar sinnenfällige Weise förmlich aus der Musik hinaus. Nur mit einem Rezitativ meldet sich der brillante Bassist Peter Harvey in dieser Kantate zu Wort; er kommt später u. a. in "Christum wir sollen loben schon" BWV 121 stärker zur Geltung, wo er der Freude des noch ungeborenen Johannes, der im Leib seiner Mutter Elisabeth hüpft, weil er Jesus erkennt, plastisch Ausdruck verleiht. Harveys markantes und gleichzeitig unverwechselbar samtig-geschmeidiges Bariton-Material ist noch in zwei weiteren großen Arien auf dieser CD zu erleben.
Insgesamt begeistert die vorliegende Aufnahme besonders deshalb, weil allenthalben zu spüren ist, dass unter Gardiners kundiger Leitung die theologische Ebene der Musik von allen Mitwirkenden umfassend verstanden und zur Botschaft gemacht wurde. Dies zeichnet Gardiners Einspielungen vor manchen anderen, rein musikalisch vielleicht nicht minder gelungenen Versionen aus; Gardiner erbringt einmal mehr den Beweis, das Bachs geistliche Musik nur in ihrem religiösen Kontext wirklich bis auf den Grund ausgeschöpft werden kann; wird dieser missachtet, hören wir nur tönend Erz und klingende Schellen.

Michael Wersin, 10.02.2006



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