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Floating Around

Tim Rodig 5

Double Moon/Sunny Moon 71061
(71 Min., 3/2006) 1 CD

Im Jazz der Gegenwart geht eigentlich alles. Wenn ein Improvisationsmusiker Popelemente aufgreift, lässt sich sagen: Schön, da ist jemand am Puls der Zeit. Wenn er hingegen den guten alten Hardbop pflegen sollte, darf man gern die Rückbesinnung auf die klassischen Werte des Genres loben. Der Hamburger Tenorsaxofonist Tim Rodig ist in den verschiedenen Darreichungsformen des modernen Jazz so selbstverständlich zu Hause, dass er sich auf seiner Debüt-CD erst gar nicht festlegt.
Das Album trägt den Titel "Floating Around" mit einiger Berechtigung. Hier lässt sich jemand selbstbewusst auf den Wellen des Mainstreams treiben, ankert öfters im kernigen Souljazz ("Bum & Bim", "This Is Where It’s At"), schippert in den Gewässern von Kenny Garrett und Branford Marsalis ("Nasty Dance") oder unternimmt einen Abstecher in Richtung Latinsorglosigkeit ("Herr Z aus Ö"). Die Balladen, eine gesungen von Rodigs Lebensgefährtin Ulita Knaus, berühren besonders. Und das nicht nur, weil der Saxofonist mit ihnen tapfer den Krebstod seines Bruders verarbeitet.
Keine Frage: Bis auf die etwas zu betulich geratene Swingpetitesse "No Moe Fo Yo" überzeugt Rodig auf "Floating Around" durchweg als Komponist. Dabei kann sich der auch als Solist recht seelen- und temperamentvoll agierende Kapitän auf eine eingeschworene Crew (Claas Ueberschär an der Trompete, Buggy Braune an Klavier und E-Piano, Oliver Karstens am Bass sowie Ole Seimetz am Schlagzeug) verlassen. Seit zehn Jahren besteht das Quintett; das zahlt sich aus. Man kann auf die Weiterentwicklung von Tim Rodig 5 (vielleicht doch hin zu einer größeren Einheitlichkeit des Materials?) gespannt sein.

Josef Engels, 28.04.2007



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