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Quiet Motion

Rue de Paris

Sony BMG 82876 81214-2
(52 Min., 5/2005) 1 CD

Okay, Namenswitze sind eigentlich eine abgeschmackte Angelegenheit. Aber dieser sei erlaubt: Wer Rüdiger "Rue" Protzer heißt, kann eigentlich nur Gitarrist sein. Doch wenn man sich das Sony-Debüt des gebürtigen Stuttgarters anhört, der erst nach dem Konservatoriumsbesuch und Dienstleistungsstudiojobs in Pop und Werbung vollgültig zum Jazz fand, muss man das Vorurteil revidieren. Protzer ist beileibe kein Protzer, sondern ein extrem zurückhaltender Musiker. Gelassen, fast ein bisschen apathisch, entwickelt er seine Linien auf dem Instrument; er hört den Tönen beim Verklingen zu, hetzt nicht, behält die Ruhe. Seine Eigenkompositionen, vier gibt es auf "Quiet Motion" zu hören, künden durchaus von einer eigenen Sprache.
Mit einer Traumbesetzung ist Rue Protzer ins Studio gegangen, mit den beiden amerikanischen Rhythmusgruppen-Feingeistern John Goldsby (Bass) und Adam Nussbaum (Drums), dem deutschen Pianisten Jochen Rueckert und dem Niederländer Ack van Rooyen. Letzterer veredelt mit seinem tränenverhangenen Flügelhorn-Ton das Protzer-Original "Vallée Blanche" sowie Chick Coreas "Crystal Silence". Es sind die Höhepunkte der Aufnahme, weil Protzers Konzept einer hypnotisch entschleunigten, seelenvollen Improvisationsmusik hier vollkommen aufgeht.
Einmal hat der Stuttgarter aber auch kräftig daneben gelangt. Die Walzerversion von "Giant Steps", mit Akustikgitarre und Zuckerguss, klingt übel nach Eso-Jazz Marke Andreas Vollenweider. Da hätte ein bisschen Protzerei nicht geschadet.

Josef Engels, 08.09.2006



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