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Rong Dob

manufactur

Rent a Dog 2008-2/Al!ve
(57 Min.) 1 CD

Wenn man ein bisschen garstig sein will, könnte man sagen: Jazz ist mittlerweile doch nur noch eine Angelegenheit für Besserverdienende, Akademiker und Nachhaltigkeitsfetischisten, also für genau jene, die sich gerne NASA-getestete Topflappen aus Weltraumstrahlung absorbierendem Material bei einem bekannten Edel-Versandhaus bestellen. Liest man den Bandnamen "manufactur", dann könnte man vorschnell denken, es hier also endlich mit der Musik zum Katalog zu tun zu bekommen. Man müsste nur ein "r" gegen ein "m" austauschen.
Immerhin: Für Buchstabenverdreher hat das Schweizer Quartett um den Trompeter Werner Hasler ein großes Faible. Stücktitel wie "Tembo Tabou" oder "Rong Dob" signalisieren eine Lust an lautmalerischen Querschlägern, die sich auch in den Stück-Skizzen von manufactur finden lässt. Auf den ersten Gehörgang mögen die Schweizer ihre Zelte zwischen Weilheim und Norwegen aufgeschlagen haben, irgendwo in der Nachbarschaft von Nils Petter Molvaers Elektro-Fjord und dem oberbayerischen Club-Bierbänken des Tied & Tickled Trios. Wenn man genauer hinlauscht, gewahrt man allerdings auch die feinen Unterschiede. Man nimmt die angenehm unaufgeregte Dub-Reggae-Grundlagenarbeit von Bass (Urban Lienert) und Schlagzeug (Dominik Burkhalter) auf metrisch ausgesprochen glitschigem Geläuf zur Kenntnis, quittiert mit Gänsehaut den Trompetenton Haslers, der herumirrlichtert wie eine verlorene Seele in einer elektronisch verfremdeten Abenddämmerung, und kann sich ein Grinsen über Patrick Lerjens Soundbit-Zusätze nicht verkneifen.
Kurz: manufactur klingt ungefähr so, als hätte Miles Davis den Soundtrack zu Stanley Kubricks "2001" verfertigt. Das kann man auch als armer Schlucker mit den falschen Topflappen gut finden.

Josef Engels, 03.09.2005



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