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John Cage

Konzert für präpariertes Klavier, Sixty-Eight

Róbert Regös, Symphonieorchester des BR, Lucas Vis

Col Legno/helikon harmonia mundi 20088
(48 Min., 10/2002) 1 CD

Zwischen beiden Werken liegt über ein halbes Jahrhundert. John Cages "Konzert für präpariertes Klavier und Kammerorchester" entstand 1951, sein Orchesterstück "Sixty-Eight" in seinem Todesjahr 1992. Und kaum radikaler lässt sich zumindest musiktheoretisch sein auf Orchester bezogenes Musikdenken, sein künstlerischer Häutungsprozess hin zum "anti-autoritäten Musiker" darstellen, wie Heinz-Klaus Metzger John Cage einmal nannte. Bevor Cage 1957 mit seinem zweiten, epochalen Klavierkonzert erstmals die Partitur aus dem Leben eines Musikers verbannte und auf den Zufall setzte, brachte er im ersten Konzert dem Klavier ganz neue Töne bei: mit einem ausgeklügelten Plan an Präperationsmöglichkeiten, für streng durchorganisierte Klangereignisse. Das Spätwerk "Sixty-Eight" hingegen ist partiturlos, wird jeder der 68 Orchestermusiker entlang der nur vorgegebenen Zeitwerte der Noten zum Schöpfer.
So sehr auch beide Werke auseinander liegen, so schafft es Dirigent Lucas Vis mit den Musikern vom Bayerischen Rundfunk aber nun doch einen riesigen Bogen sinnfällig zu gestalten. Im Klavierkonzert ist die Klangbewegung bereits auf ein Höchstmaß reduziert; sind es auf- und abschwellende Akkord-Momente, die gleichsam vom Solisten zusammengehalten werden. Mit dahingeklopften und hingetupften, bis hin zu abgedämpften, harfenähnlichen Tongliedern. Im Orchestersatz kündigt sich aber eben bereits jener meditative Purismus an, den Cage skizzenhaft in "Sixty-Eight" einpflanzen sollte. Und den das BR-Orchester nur noch in einen faszinierenden Schwebezustand bringen musste.

Guido Fischer, 16.08.2003



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