Als Cecilia Bartoli ihr Salieri-Album mit allerlei Raritäten aus den insgesamt 43 Opern von Antonio Salieri füllte, ließ sie ein Werk ganz außer Acht: "Tarare". Obwohl doch dieser Fünfakter zu Lebzeiten Salieris ein ungeheurer Erfolg war, so dass nach der Pariser Uraufführung 1787 noch eine italienische Fassung für das Wiener Publikum entstand. Und für die kein Geringerer als Lorenzo da Ponte das Libretto von Beaumarchais übersetzte. Doch Bartoli hatte das richtige Näschen. Denn trotz des unaufhörlichen Pingpong-Spiels zwischen den Chören, Arien und Rezitativen glitzert es noch nicht mal in den dominierenden Männerrollen so kantabel unvergleichlich, dass man sich auf ewig in eine Melodie verlieben müsste. Wenigstens gibt nun der Mitschnitt der deutschen Erstaufführung von "Tarare" in der historisierenden Inszenierung von Jean-Louis Martinoty einen Eindruck davon, wie damals Allerweltsstoffe im orientalischen Gewand den Beifall fanden.
In einer Kreuzung aus Tragédie lyrique, Opera Seria und Opera Buffa stehen sich der muselmanische Potentat Atar und der schmucke Feldherr Tarare gegenüber. Und Astasie gezwungenermaßen dazwischen. Denn wer in der Gunst des Volkes so hoch im Kurs steht wie Tarare, der wird mit der Entführung seiner Geliebten Astasie bestraft. Auf der Schwetzinger Bühne, wo diese Koproduktion mit der Pariser Oper 1988 Premiere hatte, befindet sich denn auch alles in solch konventionell geregelten Bahnen, an der die französische Regie-Kultur bis heute krankt. Mit Schleiern, Schnabelschuhen und dem klassischen Dekor des 18. Jahrhunderts ist diese Zeitreise so stocksteif, wie die augenzwinkernde Opera Seria-Gestik eher peinlich berührt. Dank Altmeister Jean-Claude Malgoire am Dirigentenpult wird zum Glück aus dem Orchestergraben heraus dagegen gesteuert, zeugen die Deutschen Händel-Solisten mit kräftigen Strichen und instrumentaler Beredtheit von inspiriertem Engagement. Und auch Howard Crook in der Titelrolle kann seine geschmeidige, jedoch nicht übermäßig empfindungsstarke Tenor-Stimme ausweisen, wenn er einmal einfach so auf dem Bühnenboden hockt.

Guido Fischer, 09.04.2005



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