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Johann Hermann Schein, Sebastian Knüpfer, Seth Calvisius u.a.

Civitas Lipsiarum - Musik aus Alt-Leipzig

Ensemble Alte Musik Dresden, Norbert Schuster

Raumklang/helikon harmonia mundi RK 9904
(57 Min., 7/1999) 1 CD

Brillante Musiker befanden sich unter der “Civitas Lipsiarum”, der Leipziger Bürgerschaft, und dies vor allem zur Zeit des Barock: Seth Calvisius, Johann Hermann Schein, Tobias Michael, Sebastian Knüpfer und Johann Schelle etwa, fünf Vorgänger Johann Sebastian Bachs im Amt des Thomaskantors, außerdem die Nikolai-Organisten Johann Rosenmüller und Werner Fabricius, sowie der Thomas-Organist Jacob Weckmann. Sie alle prägten vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis an die Grenzen des 18. Jahrhunderts mit einer protestantischen Theologie besonderer regionaler Ausprägung, in der die Kirchenmusik eine bedeutende Rolle spielte, maßgeblich die Tonsprache des deutschen Barock. Konzertante Vertonungen von Psalmen und anderen biblischen Texten entstanden hier, deren Wort-Ton-Bezug mittels kreativer Anwendung und Erfindung musikalischer Figuren zu großer Plastizität gelangte. Mitreißende melodische und harmonische Gestaltung sind prägnante Merkmale dieser ungeheuer ansprechenden, trotz der gestrengen, meist die letzten Dinge behandelnden Inhalte faszinierend lebensbejahenden Musik.
Ein solistisch besetztes Gesangsensemble bietet auf der vorliegenden CD gemeinsamen mit dem “Ensemble Alte Musik Dresden” unter Leitung von Norbert Schuster eine bunte Auswahl aus diesem reichhaltigen Repertoire. Die Interpretation kann nur als gelungen bezeichnet werden: Stimmschönheit paart sich mit sängerischer und instrumentaler Virtuosität zu einer begeisternden Musizierfreude; alte Instrumente und die aus der mittlerweile schon fest verwurzelten Tradition der Historischen Aufführungspraxis erwachsenen Erkenntnisse ermöglichen ein dieser Musik entsprechendes Klangbild, das möglicherweise nicht ganz das originale (dieser Vorwurf aus den Reihen der “Konservativen” wird nie verstummen), wohl aber ein sehr angemessenes und in sich stimmiges ist.

Michael Wersin, 21.06.2003



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