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Only

Beans

Thirsty Ear/Rough Trade 57167
(39 Min.) 1 CD

Der Schlagzeuger Hamid Drake, Jahrgang 1955, und der Bassist William Parker, Jahrgang 1952, haben Erfahrung mit Experimenten jeglicher Art. Die Platte, die sie nun mit dem Rapper Beans, Ex-Mitglied der Gruppe Antipop-Consortium, aufgenommen haben, dürfte jedoch selbst für die beiden Free-Jazz-Haudegen etwas Besonderes sein.
Im Vorfeld von "Only" nahm Beans eine Reihe von Rhythmus-Pattern auf, die er von Drake und Parker im Aufnahmestudio neu interpretieren ließ. Insgesamt zehn Stunden (sic!) Material kamen bei der Prozedur heraus. Beans schnitt das alles auf 40 Minuten zusammen. Ziemlich ratlos steht der Hörer vor dem Ergebnis. Zu vernehmen sind, beinahe ausnahmslos: Drum und Bass. Mal werden sie in Hallräume getaucht, mal müssen sie sich gegen zickige kleine Keyboardmelodien sowie hoch- und herunter gestimmte Störgeräusch-Drones zur Wehr setzen. Tiefpunkt der CD ist zweifellos das Stück "Only 71", in dem ein wackliger Schlagzeug-Loop jämmerlich den Kampf gegen die Studiocomputer-Quantisierung verliert; als Höhepunkt mag "Only 20" durchgehen, das Parker viel Raum zum Nerven-sägenden, dennoch hochinteressanten Solieren gibt.
Bemerkenswert ist, wie wenig Mut Beans zeigt, sich als Sprechsänger mit Drake und Parker zu messen. Bloß bei der Hälfte der Stücke tritt er als Rapper von Graden in Erscheinung. Und dann auch nur, wenn er sich aus den Schlagzeug- und Bass-Fundstücken vorher einen orthodoxen, statischen Beat gebastelt hat. Als Verbindung zwischen Ornette Coleman, Sun Ra und Afrika Bambaataa sieht Beans sein Werk. Wir hingegen wollen die Kirche mal im Dorf und den CD-Player in Ruhe lassen.

Josef Engels, 16.06.2006



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