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Arnold Schönberg

Chorwerke, Kammersinfonie op. 9

Accentus, Laurence Equilbey, Ensemble Intercontemporain, Jonathan Nott

Naive/harmonia mundi 5008
(64 Min., 8/2002, 3/2005) 1 CD

Ein Jahr nach der ersten Kammersinfonie op. 9, mit der Arnold Schönberg 1906 das Tor zur Neuen Musik halb öffnen sollte, komponierte er den Chor-Satz "Friede auf Erden" op.13 auf einen Text von Conrad Ferdinand Meyer - und mit dem Schönberg die "reine Harmonie unter den Menschen" beschwor. Dass er später von dieser Utopie abrückte, hinderte ihn nicht daran, das Werk noch für gemischten Chor und Orchester zu bearbeiten. Erstaunlich in beiden Fassungen ist die kompositorisch zurückhaltende Ambition, die sich Schönberg hier auferlegte. Kommt es in der zweiten Version höchstens zu versteckten Anklängen an Kontrapunktik und Quartakkordik, ist es dieses konventionelle, doch einen nie kalt lassende Wechselspiel aus strahlender Unaufgeregtheit und affektloser Intensität. Was nicht zuletzt an dem erstklassigen, französischen Accentus-Kammerchor liegt, der mit natürlich großem Atem und makelloser Darstellung diese spätromantischen Klangreden in faszinierenden Fluss bringt.
Ähnliches lässt sich auch über die "Drei Volksliedsätze" (1929) sowie über die Chorwerke "Dreimal Tausend Jahre" und "De profundis" sagen, die zu Schönbergs allerletzten Kompositionen zählen. Besonders in "De profundis" gelingt Accentus eine lodernde Expressivität, in der Grelle und Schärfe so abgerundet sind, wie es Schönberg in der thematisch benachbarten Oper "Moses und Aron" bereits angekündigt hatte. Den einzigen Wermutstropfen dieser auch klangtechnisch gelungenen Einspielung bildet überraschenderweise Schönbergs Klassiker schlechthin, die Kammersinfonie. Ausgerechnet das ansonsten in der Musik des 20. Jahrhunderts so sattelfeste Ensemble Intercontemporain übertreibt die expressionistische Unruhe. Die Zügel werden oft so grob angezogen, dass die Tektonik ins Wanken gerät.

Guido Fischer, 25.02.2006



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