Live At Starbucks

Ray Brown-Trio


Telarc/In-Akustik CD-83502
(60 Min., 9/1999) 1 CD

Der zum Zeitpunkt der Aufnahme knapp dreiundsiebzigjährige Ray Brown legt nach einer Serie von Treffen mit illustren Musikerfreunden mal wieder den Mitschnitt eines Clubgigs mit seinem angestammten, inzwischen wieder umbesetzten Trio vor: Damals assistierten ihm Geoff Keezer am Klavier und Karriem Riggins hinter dem Schlagzeug.
Es wird mitreißend und virtuos gejazzt, ohne Frage. Doch obwohl ich zugeben muss, dass die technischen Möglichkeiten einer Live-Aufzeichnung vor vierzig Jahren weniger ausgereift waren, erreicht diese mit Blues und handverlesenen Jazz-Standards bestrittene Stunde nicht die entspannte Geschlossenheit von Browns Trioexkursionen an der Seite von Oscar Peterson, etwa bei den "The London House Sessions".

Mátyás Kiss, 17.05.2001


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.