Live At Starbucks

Ray Brown-Trio


Telarc/In-Akustik CD-83502
(60 Min., 9/1999) 1 CD

Der zum Zeitpunkt der Aufnahme knapp dreiundsiebzigjährige Ray Brown legt nach einer Serie von Treffen mit illustren Musikerfreunden mal wieder den Mitschnitt eines Clubgigs mit seinem angestammten, inzwischen wieder umbesetzten Trio vor: Damals assistierten ihm Geoff Keezer am Klavier und Karriem Riggins hinter dem Schlagzeug.
Es wird mitreißend und virtuos gejazzt, ohne Frage. Doch obwohl ich zugeben muss, dass die technischen Möglichkeiten einer Live-Aufzeichnung vor vierzig Jahren weniger ausgereift waren, erreicht diese mit Blues und handverlesenen Jazz-Standards bestrittene Stunde nicht die entspannte Geschlossenheit von Browns Trioexkursionen an der Seite von Oscar Peterson, etwa bei den "The London House Sessions".

Mátyás Kiss, 17.05.2001


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Des Menschen Herz sehnt sich einfach nach melodramatischen Sujets: Was die Biografik im Jahrhundert nach Wolfgang Amadeus Mozarts Tod an süßlichen Anekdoten über seine angeblich so bitteren Wiener Jahre als verkanntes, verarmtes Genie gesponnen hat, klebt noch immer wie Zuckerwatte vor der Linse unvoreingenommener Werkbetrachtung. Der Musikforscher Christoph Wolff hat hingegen kürzlich in einem Buch untermauert, dass das Lebensgefühl des Salzburgers in der Hauptstadt wahrscheinlich viel aufstrebender war. "Vor den Pforten meines Glückes" wähnte sich Mozart, angekommen in Wien, angestellt am Kaiserhof, und - wie Wolff nachweist - bemüht, in seiner Musik einen imperialen Stil zu etablieren. Kompositorisch selbstbestimmt klingt auch die These, die Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus nun vertritt: Die drei letzten, ohne Kompositionsauftrag in nur gut zwei Monaten hintereinander weg komponierten Sinfonien sind nicht etwa das Röcheln eines Genies, das mit sterbender Hand nach dem Himmel reicht, sondern ein ehrgeiziges Projekt - ein Instrumental-Oratorium. Die Motivbezüge und enge Verwandtschaft hat schon Peter Gülke nachgewiesen, nun erklärt Harnoncourt die drei Werke zu einer in sich geschlossenen, dreiteiligen Handlung für Musik, eine freimaurerisch inspirierte Initiation. Was konkret er selbst dem Werk an melodramatischen Sujets dabei ablauscht, will er aber nicht verraten, denn "die Musik Mozarts ist Sprache und spricht für sich."